Ladungssicherung auf Straße... / 3.3 Ladungssicherung durch Zurren

Als Zurren bezeichnet man die Sicherung der Ladung gegen Verrutschen mithilfe von Zurrgurten oder Ketten. Man unterscheidet zwischen Niederzurren und Schräg-/Diagonalzurren (Abb. 2).

Abb. 2: Niederzurren, Schrägzurren, Diagonalzurren; die eingezeichneten Winkel werden als Vertikalwinkel bezeichnet; Schrägzurren und Diagonalzurren bezeichnet man auch als Direktzurren

3.3.1 Niederzurren

Die vorhandene Reibungskraft FR muss um den Wert einer "zusätzlichen" Reibungskraft F erhöht werden, um die notwendige Sicherungskraft FSv zu erreichen. Dafür muss auf die Ladung durch Niederzurren eine "zusätzliche" Gewichtskraft FGz (Druckkraft) aufgebracht werden. Beim Niederzurren soll die erforderliche Sicherungskraft allein durch Erhöhung der Reibungskraft (Widerstandskraft) erreicht werden.

 

Praxis-Beispiel

Niederzurren

Die Ladung wiegt 1.000 kg und besitzt damit eine Gewichtskraft von etwa 1.000 daN. Die maximal auftretende Kraft nach vorne beträgt dann 800 daN (s. Abb. 1). Bei einer angenommenen Reibungszahl von 0,2 beträgt die Reibkraft 200 daN, die zusätzlich benötigte Kraft F damit 600 daN und die damit nötige Druckkraft FGz auf die Ladung 3.000 daN.

Das bedeutet, dass beim senkrechten Niederzurren quer über die Ladung (Vertikalwinkel = 90°) in beiden Seiten der senkrecht verlaufenden Zurrmittel eine Kraft von je 1.500 daN herrschen müsste, um die zusätzliche Gewichtskraft FGz zu "erzeugen". Diese Kraft (hier 1.500 daN) bezeichnet man als Mindestvorspannkraft Z. Da der Vertikalwinkel nicht immer 90° beträgt, lautet die allgemeine Formel zur Errechnung der Mindestvorspannkraft:

bzw. wenn FSv noch nicht bekannt ist:

α: Vertikalwinkel

FSv: Sicherungskraft (nach vorne)

Z: aufzubringende Mindestvorspannkraft durch Zurrmittel

µ: Gleit-Reibbeiwert

FGz: benötigte zusätzliche Gewichtskraft (Druckkraft)

c: Sicherheitsfaktor (0,8 nach vorne)

Auf den Zurrgurten ist die mit dem jeweiligen Gurt zu erreichende Vorspannkraft aufgedruckt (STF: Standard Tension Force). Die erreichbare Vorspannkraft ist von der Art der Ratsche abhängig, mit der diese Vorspannkraft aufgebracht wird. In o. g. Formel wird die benötigte zusätzliche Gewichtskraft durch 2 geteilt und stellt dann die Mindestvorspannkraft dar, die durch Addition der auf den Gurten aufgedruckten (oder gemessenen) STF-Werte erreicht werden muss.

Würde man nur einen Gurt benutzen, der genau den STF-Wert der nötigen errechneten Vorspannkraft besitzt, müsste zur ausreichenden Sicherung auf beiden Seiten der Ladung der aufgedruckte STF im Gurt auch tatsächlich erreicht werden. Auf der Seite der Ladung, die dem Spannelement (z. B. der Ratsche eines Zurrgurtes) gegenüberliegt, darf die auf dem Kennzeichnungsetikett aufgedruckte Vorspannkraft STF jedoch nach neuen Normen grundsätzlich nur noch mit 50 % angenommen werden. Der Grund dafür liegt im Reibungsverlust bei der Umlenkung des Zurrmittels an den Ladungskanten, der auch trotz Kantenschützern auftritt. Im Normalfall ist zur Berechnung der Mindestvorspannkraft Z die zusätzlich benötigte Gewichtskraft also nicht durch 2 zu teilen, sondern durch 1,5, d. h., Z wird größer und damit ggf. auch die Anzahl der Gurte. Die Mindestvorspannkraft Z muss durch die Addition der STF-Werte der verwendeten Gurte erreicht werden. Das Verfahren dient dazu, die theoretisch benötigte Druckkraft auch tatsächlich durch die Verwendung von Zurrmitteln zu erreichen.

Die auf einem Gurt aufgedruckte Vorspannkraft kann am besten erreicht werden, wenn man Kantenschützer benutzt. Diese Hilfsmittel werden an den Ladungskanten unter den Zurrgurt gelegt. Sie bewirken zum einen, dass die Ladung durch den Druck der Gurte nicht beschädigt wird. Zum anderen bewirken sie, dass der Gurt beim Spannen der Ratsche besser, also mit weniger Reibungsverlust, über die Kanten rutscht. Dadurch wird die Vorspannkraft besser auf die Seite der Ladung geleitet, die der Ratsche gegenüberliegt und die Ladung wird effektiver auf die Ladefläche gepresst. Falls ein Ladungsteil mit mehreren Zurrgurten gesichert wird, sollte man die Ratschen unbedingt wechselseitig anbringen, denn auch bei der Verwendung von Kantenschützern ist die Vorspannkraft auf beiden Seiten der Ladung in der Regel unterschiedlich und das kann auf diese Weise einigermaßen ausgeglichen werden. Kantenschutz ist nach VDI 2700 vorzusehen.

Die Anzahl der zur Sicherung der Ladung erforderlichen Zurrmittel erhalten Sie, indem Sie den laut Formel errechneten Wert der Gesamtvorspannkraft noch durch die zu erreichende Vorspannkraft teilen. Den Wert für die zu erreichende Vorspannkraft finden Sie auf dem Kennzeichnungsetikett der vorhandenen Zurrmittel.

 

Praxis-Beispiel

Zahl der Zurrgurte

Die Gesamtvorspannkraft Z beträgt 6.000 daN. Als Zurrmittel wird ein Zurrgurt mit Kurzhebelratsche mit einer Vorspannkraft von 450 daN verwendet. Insgesamt sind 14 Zurrgurte erforderlich.

 

Praxis-Tipp

Zurrscheiben und andere Hilfsmittel

Zur Bestimmung der Anzahl der Gurte müssen Sie allerdings nicht rechnen. Es existieren Hilfsmittel, mit denen sich die Anzahl der Gurte leicht ermittel...

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