Hygiene

Zusammenfassung

 
Begriff

Hygiene im klassischen Sinn bezeichnet die Lehre von der Verhütung der Krankheiten und der Erhaltung und Festigung der Gesundheit (Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie). So gesehen sind fast alle Bestrebungen im Arbeitsschutz hygienischer Natur. Im gebräuchlicheren Sinn wird unter Hygiene jedoch vor allem die Vorbeugung von Infektionskrankheiten verstanden. Diese betrifft nicht alle Betriebe in gleichem Maße. Allerdings sind Hygienefragen grundsätzlich überall dort relevant, wo Menschen zusammenkommen, also auch am Arbeitsplatz.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Gesetzliche Vorgaben zum Thema Hygiene finden sich in unterschiedlichen Rechtsgebieten, deren Schwerpunkte hauptsächlich außerhalb des Arbeitsschutzes liegen:

Infektionsschutz: Hier dient vor allem das Infektionsschutzgesetz dem Schutz vor der Ausbreitung von Infektionskrankheiten in der Bevölkerung und enthält u. a. Regelungen zu Meldepflichten und Beschäftigungsverboten. Speziellere Hygienefragen (z. B. im Krankenhaus oder bei drohenden Epidemien) werden in Richtlinien oder Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts geregelt, außerdem (für gesundheitsbezogene Dienstleistungen) in den Hygieneverordnungen der Länder.

Lebensmittelrecht: Im Lebensmittelbereich gibt es eine Vielzahl von hygienerelevanten Richtlinien und Normen (EG-Verordnung 852/2004 "Lebensmittelhygiene", Trinkwasserverordnung, HACCP-Richtlinien u. v. m.). Im Arbeitsschutzbereich beziehen sich einzelne Unfallverhütungsvorschriften auf Hygienefragen (s. u.).

1 Allgemeine Betriebshygiene

Allgemeine Hygienevorgaben ergeben sich v. a. aus den Fürsorgepflichten des Arbeitgebers nach ArbSchG bzw. DGUV-V 1. Konkrete Vorgaben machen die Arbeitsstättenverordnung und ihre Technischen Regeln, z. B. ASR A4.2 "Pausen- und Bereitschaftsräume" sowie die ASR A4.1 "Sanitärräume".

Im Wesentlichen werden hier ganz elementare Sachverhalte geregelt wie die Verfügbarkeit von Waschgelegenheiten und Toiletten und die immer noch oft ignorierte Festlegung, dass Seife und Handtücher nie gemeinschaftlich benutzt werden dürfen.

Zur Frage der Reinigung ist § 4 Abs. 2 ArbStättV maßgebend: "Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Arbeitsstätten den hygienischen Erfordernissen entsprechend gereinigt werden. Verunreinigungen und Ablagerungen, die zu Gefährdungen führen können, sind unverzüglich zu beseitigen."

Fragen zur Reinigungsintensität und -häufigkeit, die in der betrieblichen Praxis gerade in sensiblen Bereichen immer wieder auftreten, sind also nicht mit festen Vorgaben zu beantworten, sondern durch die Gefährdungsbeurteilung.

Darüber hinaus sind für konkrete Hygieneanforderungen die entsprechenden branchenspezifischen Regelungen der Berufsgenossenschaften zu berücksichtigen. Dies betrifft vor allem Betriebe, die im weitesten Sinn mit biologischen Arbeitsstoffen umgehen, wie

  • Entsorgungsbetriebe, Kläranlagen,
  • Laboratorien,
  • Tierhaltung,
  • Gerbereien,
  • Gebäudereiniger, Schädlingsbekämpfung,
  • Lebensmittel verarbeitende Betriebe (z. B. Fleisch- und Getreideverarbeitung),
  • Gesundheitswesen.

Besondere Anforderungen bestehen hier z. B. im Hinblick auf Schwarz-Weiß-Trennung von Privat- und Arbeitskleidung, Waschen von Arbeitskleidung, Händehygiene, Reinigung von Arbeitsbereichen und arbeitsmedizinische Vorsorge.

 
Achtung

Corona-Pandemie 2020

Solange für Deutschland die "epidemische Lage nationaler Tragweite" nach § 5 IfSG in Bezug auf das SARS-CoV-2-Virus festgestellt bleibt, gilt für alle Unternehmen in Deutschland die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) vom 20.8.2020. Sie aktualisiert den SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard vom 16.4.2020, der formell weiter in Kraft bleibt. Beides wird durch länder- oder branchenspezifische Vorgaben der Unfallversicherungsträger ergänzt. Danach muss aus hygienischen Gründen auch am Arbeitsplatz die sog. AHA-Formel mit "Abstand halten – Hygiene beachten – Alltagsmaske (Mund-Nasen-Bedeckung) tragen" befolgt werden, z. B. durch

  • Arbeitsplatzgestaltung (ausreichende Arbeitsflächen, Vermeidung von Mehrfachbelegungen von Räumen bzw. ausreichende Abstände, Abtrennungen, z. B. bei Publikumsverkehr),
  • Abstandsregelungen für Sanitärräume, Kantinen und Pausenräume,
  • Büroarbeit im Homeoffice (mobiles Arbeiten von zu Hause) und kontaktfreie Konferenzlösungen,
  • ausreichende Möglichkeiten zur Hände- und Oberflächenhygiene.
  • Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen, wenn der Abstand arbeitsbedingt nicht eingehalten werden kann und Abtrennungen nicht möglich sind.[1]

Trinkwasserhygiene

Trinkwasser ist ein verderbliches Lebensmittel. Für den Umgang damit hat der Gesetzgeber daher besondere Anforderungen aufgestellt, um Keimbelastungen und andere Verunreinigungen zu vermeiden. Typische Trinkwasserkeime sind:

  • Legionellen, die sich in Warmwasserleitungen ansiedeln können und über Tröpfcheninfektionen (beim Duschen/Baden) Atemwegserkrankungen auslösen können;
  • Coliforme (Kolikeime), die oral aufgenommen Durchfallerkrankungen auslösen.

Verantwortlich für die Trinkwasserqualität sind neben den W...

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