HIV-Infektion

Zusammenfassung

 

Begriff

HIV steht für Humanes Immundefizienzvirus. Die Infektion mit diesem Virus erfolgt von Mensch zu Mensch über bestimmte Körperflüssigkeiten (v. a. Blut, Sperma, Vaginalsekret, Muttermilch) und löst über mehrere Stadien eine gravierende Immunschwäche mit charakteristischen Folgeerkrankungen aus. Dieses Krankheitsbild wird dann mit dem Begriff AIDS (englisch: Acquired Immunodeficiency Syndrom) bezeichnet. Eine HIV-Infektion ist nicht heilbar und führt unbehandelt über einige Jahre zum Tod. Allerdings können Ausbruch und Verlauf der AIDS-Erkrankung heute medikamentös sehr verzögert werden. Auf diese Weise konnte in den Industrieländern die Lebensqualität und -erwartung HIV-Infizierter so weit gesteigert werden, dass sie u. U. über Jahrzehnte hinweg in der Lage sind, am Arbeitsleben teilzunehmen.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Da es sich bei der HIV-Infektion um eine ernste, übertragbare Krankheit handelt, sind die Bestimmungen des Infektionsschutzgesetzes zu beachten. Eine HIV-Infektion ist (anonym) meldepflichtig gegenüber dem zuständigen Gesundheitsamt (§ 7 IfSG). Zur Meldung verpflichtet sind alle den Test durchführenden öffentlichen oder privaten Untersuchungsstellen.

Wenn Mitarbeiter beruflich Kontakt zu potenziell infektiösen Körperflüssigkeiten haben (v. a. Blut), gelten in diesen Tätigkeitsfeldern die Biostoffverordnung und die zugehörigen Technischen Regeln für biologische Arbeitsstoffe (TRBA).

Wo außerhalb von Heilberufen beruflich- oder gewerblich Tätigkeiten ausgeübt werden, bei denen Infektionsgefahren u. a. mit dem HI-Virus bestehen (Friseure, Maniküre, Pediküre, Piercing, Tätowieren u. a.) gelten die Hygieneverordnungen der Länder, die sich v. a. auf den Schutz vor blutübertragbaren Krankheiten wie AIDS und Hepatitis beziehen und konkrete Maßnahmen zum Schutz sowohl von Ausführenden als auch von Kunden vorschreiben.

1 Krankheitsverlauf

Der Ablauf einer HIV-Infektion wird in 3–4 Phasen beschrieben:

Akute Phase (1–6 Wochen nach erfolgter Infektion, Dauer ca. 4–6 Wochen)

Die akute Phase verläuft unter unspezifischen Symptomen, die auch bei anderen, häufigeren Infektionen auftreten, wie Fieber, Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Ausschläge, geschwollene Lymphknoten usw. Damit ist die Erstinfektion schwer zu identifizieren, zumal die Akutphase auch weitgehend symptomfrei verlaufen kann.

Ein HIV-Test gibt in der akuten Phase noch keinen positiven Befund, Antikörper sind im Blut erst nach ca. 12 Wochen sicher nachweisbar. Allerdings können Infizierte das Virus bereits in der ersten Phase weiterverbreiten, in der die Viruslast in Blut und anderen Körperflüssigkeiten besonders hoch ist, weil das Immunsystem noch nicht stark aktiviert ist.

Latenzphase

Die Latenzphase ist eine lange, weitgehend symptomfreie Zeit. Ihre Dauer ist unterschiedlich und abhängig vom Erregertyp, der persönlichen Konstitution, den Lebensumständen und v. a. der medikamentösen Behandlung. Bei aggressiven Verläufen kann die Krankheit schon in wenigen Jahren voll ausbrechen. Bei guter medizinischer Betreuung sind heute aber auch Latenzzeiten von über 20 Jahren keine Seltenheit mehr. Infizierte Personen sind in dieser Zeit meist nicht auffällig oft krank, allerdings wird die körpereigene Immunabwehr gerade ohne medikamentöse Unterstützung nach und nach zerstört. Dadurch geht die Latenzphase i. d. R. früher oder später in die nächste Phase über.

ARC-Phase (Aids Related Complex)

In der ARC-Phase treten zunehmend unspezifische Krankheiten auf wie grippeähnliche Zustände (typisch mit dauernder Lymphknotenschwellung) und Durchfälle, die kaum mehr zurückgehen.

Krankheitsphase (AIDS)

Vom Ausbruch der AIDS-Erkrankung wird gesprochen, wenn bei einem HIV-Infizierten die sog. AIDS-definierenden Erkrankungen festgestellt werden. Das sind typische, durch unterschiedliche Erreger (Bakterien und Viren, aber auch Pilze oder Parasiten) ausgelöste, schwere Infektionskrankheiten, die z. B. Lunge, Magen, Darm, Hirn und Haut betreffen, aber auch bestimmte Krebsarten. Durch den totalen Zusammenbruch des Immunsystems führen diese Erkrankungen letztlich zum Tod.

2 Therapie

Das HI-Virus lässt sich bisher im menschlichen Organismus nicht abtöten. Damit bleibt auch die Ansteckungsgefahr durch HIV-Infizierte immer erhalten. Die Therapie zielt darauf ab, die Vermehrung des Virus und seine Auswirkungen auf das Immunsystem zu unterdrücken.

Dafür ist eine Kombination von verschiedenen antiviralen Medikamenten erforderlich, weil das Virus in der Lage ist, auf einzelne Wirkstoffe schnell resistent zu reagieren. Da die Medikamente über lange Zeiträume erhebliche schädliche Nebenwirkungen haben können, ist der Zeitpunkt, ab dem der Nutzen einer medikamentösen Therapie die Risiken aufwiegt, sorgfältig zwischen Arzt und Patient abzustimmen.

3 Ansteckungsrisiko

Die Ansteckung erfolgt durch den Kontakt mit Blut, Sperma, Vaginalsekret, Muttermilch oder Rückenmarksflüssigkeit eines Infizierten, wobei Erreger in einer bestimmten Anzahl in das Blut des Kontaktpartners eindringen müssen. Dies kann zwar durc...

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