Arbeitnehmer, die regelmäßig einem Übermaß an Hand-Arm-Vibrationen ausgesetzt sind, leiden langfristig möglicherweise an Störungen in der Durchblutung der Finger und an neurologischen und motorischen Funktionsstörungen an den Händen und Armen. Der Begriff Hand-Arm-Vibrations-Syndrom wird üblicherweise zur Bezeichnung dieser komplexen Störungen verwendet.[1]

Hand-Arm-Vibrations-Syndrome beeinflussen das gesellschaftliche und familiäre Leben. Regelmäßig wiederkehrende Durchblutungsstörungen treten nicht nur bei der Arbeit auf, sondern auch bei Tätigkeiten wie Autowaschen oder dem Besuch von Sportveranstaltungen im Freien. Alltägliche Aufgaben wie das Auf- und Zuknöpfen von Kleidung können schwer fallen.

In vielen europäischen Ländern gelten durch Hand-Arm-Vibrationen verursachte Gefäßstörungen, neurologische Dysfunktionen sowie Knochen- und Gelenksanomalien als anerkannte Berufskrankheit.

[1] In Deutschland wird der Begriff nicht verwendet, man spricht von "vibrationsbedingten Erkrankungen".

C.1 Gefäßstörungen

Arbeitnehmer, die einer Exposition gegenüber Hand-Arm-Vibrationen ausgesetzt sind, beschweren sich möglicherweise über zeitweise weiße Finger – ein Phänomen, das in der Regel durch Kälte ausgelöst wird. Dieses Symptom liegt an der vorübergehenden Unterbrechung der Blutzirkulation in den Fingern.

Es gibt viele Begriffe, mit denen die durch Vibration verursachten Gefäßstörungen beschrieben werden:

  • abgestorbene oder weiße Finger
  • Weißfinger-Krankheit
  • Raynaud-Phänomen mit berufsbedingter Ursache
  • vibrationsbedingte weiße Finger (VWF)
  • vibrationsbedingtes vasospastisches Syndrom (VVS)

Zu Beginn erfassen die Durchblutungsstörungen zunächst nur die Kuppen von einem oder mehreren Fingern, doch mit fortgesetzter Exposition gegenüber Vibrationen können die Finger bis zur Fingerwurzel weiß werden. Wenn das Blut zurück in die Finger strömt (in der Regel durch Wärme oder eine lokale Massage), werden die Finger rot und beginnen oft zu schmerzen. Im Winter treten diese Störungen häufiger auf als im Sommer. Je nach Stärke der Vibrationsimpulse kann die Dauer zwischen wenigen Minuten und mehr als einer Stunde liegen.

Bei fortgesetzter Exposition gegenüber Vibrationen werden diese Störungen häufiger und betreffen immer mehr Finger. Diese Attacken können das gesamte Jahr hindurch bereits bei eher kleinen Temperaturabsenkungen auftreten. Viele betroffene Arbeitnehmer erleben dann einen vollständigen Verlust des Tastgefühls und der manuellen Beweglichkeit. Dies kann möglicherweise mit der ausgeübten Tätigkeit zusammen wirken und so das Risiko von akuten Verletzungen infolge eines Unfalls verstärken.

In epidemiologischen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass die Eigenschaften der Vibrationsbelastung und ihre Dauer, die Art des Werkzeugs und des Arbeitsprozesses, die Umweltbedingungen (Temperatur, Luftströmung, Feuchtigkeit, Lärm), einige biodynamische und ergonomische Faktoren (Greifkraft, Andruckkraft, Armposition) und verschiedene persönliche Merkmale (Sensibilität, Krankheiten, chemische Substanzen, Rauchen und bestimmte Medikamente, die auf die Durchblutung in der Peripherie wirken), die Wahrscheinlichkeit und Schwere der Weißfinger-Krankheit beeinflussen.

In Deutschland können nach der Berufskrankheitenverordnung "Vibrationsbedingte Durchblutungsstörungen an den Händen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können" als Berufskrankheit Nr. 2104 anerkannt werden (s. a. C.2).

C.2 Neurologische Störungen

Arbeitnehmer, die einer Exposition gegenüber Hand-Arm-Vibrationen ausgesetzt sind, klagen oft über ein Gefühl des Kribbelns und der Taubheit in Fingern und Händen. Wenn die Vibrationsbelastung andauert, werden diese Symptome in der Regel schlimmer und wirken sich unter Umständen auf die Arbeitsfähigkeit und Freizeitaktivitäten aus. Arbeitnehmer mit Vibrationsbelastung können Einschränkungen in der normalen Wahrnehmung von Temperaturen und beim Tastsinn erfahren und leiden an einer eingeschränkten manuellen Beweglichkeit.

C.3 Karpaltunnelsyndrom

Epidemiologische Untersuchungen von Arbeitnehmern haben darüber hinaus gezeigt, dass der Einsatz von vibrierenden Werkzeugen in Verbindung mit repetitiven Bewegungen, kraftvollem Griff und unbequemen Körperhaltungen das Risiko eines Karpaltunnelsyndroms möglicherweise erhöht.

Das Karpaltunnelsyndrom ist derzeit in Deutschland nicht als eigenständige Berufskrankheit nach Berufskrankheitenverordnung anerkannt.

C.4 Störungen im Muskel-Skelett-System

Arbeitnehmer mit einer langen Vibrationsbelastung klagen z. T. über Muskelschwäche, Schmerzen in den Händen und Armen und verringerte Muskelkraft. Diese Störungen hängen vermutlich mit ergonomischen Belastungsfaktoren durch schwere manuelle Arbeit zusammen.

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