Globally Harmonised System (GHS)

Zusammenfassung

 

Begriff

Mit dem sog. "Globally Harmonised System of Classification and Labelling of Chemicals (GHS)" wird die Einstufung und Kennzeichnung von Gefahrstoffen langfristig in allen Ländern der Erde angeglichen. Diese Initiative geht auf einen UN-Beschluss aus dem Jahr 1992 zurück. In der EU wird GHS durch die "CLP-Verordnung" umgesetzt. Die Buchstaben CLP stehen dabei für die Abkürzung der englischen Begriffe classification, labelling and packaging (also Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung). Spricht man von GHS, so ist das weltweite System auf UN-Ebene gemeint – CLP steht dagegen für die Umsetzung von GHS auf EU-Ebene.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

In der EU wird GHS durch die Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (sog. "CLP-Verordnung") umgesetzt. Die CLP-Verordnung ist unmittelbar in allen EU-Mitgliedsstaaten verbindlich und trat zum 20.1.2009 in Kraft. Die bisher für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung maßgeblichen EU-Regelwerke ("Stoff-Richtlinie" 67/548/EWG bzw. "Zubereitungs-Richtlinie" 1999/45/EG) werden nach und nach durch die CLP-Verordnung abgelöst und werden zum 1.6.2017 endgültig aufgehoben.

1 Einstufung und Kennzeichnung

Die CLP-Verordnung definiert neue Einstufungs- und Kennzeichnungskriterien, die sich von der bisher maßgeblichen Stoff- bzw. Zubereitungsrichtlinie unterscheiden. Nach CLP werden Gefahrstoffen verschiedene "Gefahrenklassen" (hazard classes) zugeordnet, wobei zwischen physikalischen Gefahren, der Gefahr für die menschliche Gesundheit und der Gefahr für die Umwelt unterschieden wird.

In Abhängigkeit vom Gefährdungspotenzial erfolgt innerhalb einer Gefahrenklasse die Zuordnung zu unterschiedlichen "Gefahrenkategorien" (hazard categories). Je nach Gefahrenkategorie werden Gefahrstoffen bestimmte Gefahrenpiktogramme, Signalwörter sowie Gefahren- und Sicherheitshinweise zugeordnet.

Da sich die Einstufungs- und Kennzeichnungskriterien nach CLP von dem bisherigen System unterscheiden, können sich für einzelne Gefahrstoffe Änderungen ergeben. So können Stoffe in Einzelfällen nach CLP "strenger" eingestuft werden: Beispielsweise werden einige Stoffe, die nach dem bisherigen System noch mit einem "Andreaskreuz" als "gesundheitsschädlich" gekennzeichnet wurden, zukünftig mit einem "Totenkopf-Symbol" versehen.

2 Gefahrenpiktogramme

Mit der CLP-Verordnung werden für die Kennzeichnung von Gefahrstoffen neue Piktogramme eingeführt. Die bisherigen Gefahrensymbole auf orangegelbem Grund werden durch Gefahrenpiktogramme ersetzt, die die Form eines auf der Spitze stehenden Quadrats mit einem roten Rahmen aufweisen, das ein schwarzes Symbol auf weißem Hintergrund enthält. Insgesamt gibt es nach CLP neun verschiedene Gefahrenpiktogramme. Die jeweiligen Gefahrenpiktogramme müssen auf dem Kennzeichnungsetikett angegeben werden. Nicht jeder Gefahrstoff wird grundsätzlich mit einem Gefahrenpiktogramm gekennzeichnet – für "schwächere" Gefahrenkategorien kann im Einzelfall die Zuordnung zu einem Gefahrenpiktogramm entfallen.

3 Signalwörter

Neu ist die Zuordnung zu einem Signalwort (signal word). Je nach Gefahrenkategorie erfolgt die Zuordnung zu dem Signalwort "Gefahr" für Kategorien mit größeren Gefahren oder "Achtung" für Kategorien mit weniger großen Gefahren. Das Signalwort wird ebenfalls auf dem Kennzeichnungsetikett angegeben.

4 Gefahrenhinweise

Die Gefahrenhinweise (hazard statements) lassen sich mit den bisherigen R-Sätzen vergleichen und werden gleichfalls auf dem Kennzeichnungsetikett aufgeführt. Die Zuordnung zu den Gefahrenhinweisen erfolgt ebenfalls über die entsprechende Gefahrenkategorie innerhalb einer Gefahrenklasse. Die Gefahrenhinweise werden mit dem Kürzel "H" und einer dreistelligen Zahl kodiert. Die erste Zahl gibt an, ob es sich um physikalische Gefahren (2), Gesundheitsgefahren (3) oder Umweltgefahren (4) handelt. Zum Beispiel steht

  • "H224" für "Flüssigkeit und Dampf extrem entzündbar",
  • "H331" für "Giftig bei Einatmen" oder
  • "H400" für "Sehr giftig für Wasserorganismen".

5 Sicherheitshinweise

Das Kennzeichnungsetikett enthält darüber hinaus die relevanten Sicherheitshinweise (precautionary statements), mit denen in Form einer oder mehrerer Phrasen die empfohlenen Maßnahmen zur Begrenzung oder Vermeidung der Exposition beschrieben werden. Die Sicherheitshinweise lassen sich dabei mit den bisherigen "S-Sätzen" vergleichen. Die Sicherheitshinweise werden mit dem Kürzel "P" und einer dreistelligen Zahl kodiert, wobei die erste Ziffer angibt, um welche Art von Sicherheitshinweisen es sich handelt:

  • 1 = allgemeine Sicherheitshinweise (z. B. "P102": "Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen"),
  • 2 = Prävention (z. B. "P211": "Nicht gegen offene Flamme oder andere Zündquelle sprühen"),
  • 3 = Reaktion (z. B. "P331": "KEIN Erbrechen herbeiführen"),
  • 4 = Lagerung (z. B. "P402": "An einem trockenen Ort aufbewahren"),
  • 5 = Entsorgung (z. B. "P501": "Inhalt/Behälter … zuführen").

6 Übergangsfristen

Die CLP-Verordnung sieht recht lange Übergangsfristen vor: Stoffe müssen spätestens ab 1.12.2010 nach CLP eingestuft und gekennzeichnet werden, Gemische (bisherige Bezeichnung = Zubereitungen) seit 1.6.2015.

Lagerbestände in Fo...

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