Gerüche und Reizstoffe am A... / 3.4 MCS, SBS und BRI

Die Vielfache Chemikalien-Sensitivität (MCS von englisch Multiple Chemical Sensitivity) ist eine erworbene Störung, bei der mehrere Organe oder Organsysteme betroffen sind und eine Vielzahl unspezifischer Beschwerden auftreten, wie Atemnot, Augenbrennen, diffuse Schmerzen, Hautprobleme, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, chronische Müdigkeit, Geruchsempfindlichkeit etc. Die Symptome treten u. a. in Verbindung mit der Wahrnehmung von Gerüchen (z. B. Parfüm, Zigarettenrauch) bei sehr geringen Stoffkonzentrationen auf, d. h. weit unterhalb der Schwellenkonzentration der entsprechenden Substanz, die bei gesunden Personen zu Reizungen oder gesundheitlichen Wirkungen führt.

Auch wenn MCS international nicht als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt wird, ist in Deutschland eine Einordnung nach ICD-10-GM-Klassifizierung unter T78.4 möglich. Als Berufskrankheit wird MCS nicht anerkannt, denn bislang fehlen gesicherte Erkenntnisse über Entstehung und Ursachen. Es wird vermutet, dass Störungen im komplexen Zusammenspiel von Immunsystem, Nervensystem und biochemischen Prozessen vorliegen. Da die Symptome bei Expositionsvermeidung verschwinden oder zumindest geringer werden, wird eine Minimierung relevanter Luftschadstoffe im Wohn- und Arbeitsumfeld empfohlen.

Unspezifische Beschwerden, wie z. B. tränende Augen, Kopfschmerzen oder juckende Haut, die nach längerem Aufenthalt in Gebäuden entstehen, werden unter dem Begriff "Sick-Building-Syndrom" (SBS; "krankmachendes" Gebäude) zusammengefasst. Die Beschwerden klingen nach dem Verlassen des Gebäudes ab, insbesondere am Wochenende oder im Urlaub. Bei erneutem Aufenthalt nehmen die Symptome wieder zu. Als Kriterium für das Vorliegen von SBS gilt, dass bei mindestens 20 % bis 25 % der exponierten Personen die typischen gesundheitlichen Beschwerden (Reizungen der Augen-, Nasen- und Rachenschleimhaut, Kopfschmerzen, juckende Haut)[1] auftreten. Am häufigsten tritt SBS in Bürogebäuden auf, aber auch in Kindergärten, Schulen oder in Krankenhäusern. Wie bei MCS gibt es bislang keine gesicherten Erkenntnisse über Entstehung und Ursachen. Mehrere Studien konnten keinen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Schadstoffkonzentration in der Innenraumluft und dem Auftreten von Beschwerden finden. Bei SBS spielen chemische, biologische, physikalische und psychologische Faktoren eine Rolle. Ein wichtiger psychologischer Faktor ist, dass die Raumnutzer selbst Einfluss auf die klimatischen Bedingungen im Raum nehmen wollen, d. h., selbst die Temperatur regeln oder ein Fenster öffnen können.

SBS ist klar abzugrenzen von der sog. "Building Related Illness" (BRI), obwohl beide zu den gebäudebezogenen Gesundheitsstörungen zählen. Beim BRI sind einzelne Personen betroffen und die berichteten Beschwerden werden durch nachweisbare allergene, mikrobielle oder chemische Belastungen verursacht.

[1] Wiesmüller/Bischof (2009): Gebäudebezogene Gesundheitsstörungen, Praktische Arbeitsmedizin 4:26–30. http://www.bsafb.de/media/pa4_6_2006_gebaeudebezogene_gesundheitsstoerungen.pdf.

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