Flucht- und Rettungswege

Zusammenfassung

 
Begriff

Flucht- und Rettungswege sind Verkehrswege in einem Gebäude, an die aus Sicherheitsgründen besondere Anforderungen gestellt werden.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Generell sind zu diesem Thema 2 Rechtsquellen grundlegend:

  • Baurecht der Bundesländer (Landesbauordnungen),
  • Arbeitsstättenverordnung mit ASR A2.3 "Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan" und ASR A3.4/7 "Sicherheitsbeleuchtung, optische Sicherheitsleitsysteme".

1 Baurecht und Arbeitsschutzrecht grundlegend

1.1 Baurecht

Die Bauordnungen der Länder definieren als Schutzziel, dass "die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich" sein müssen.

Daher müssen alle Aufenthaltsräume (Räume, in denen sich Menschen nicht nur gelegentlich aufhalten) 2 voneinander unabhängige Rettungswege haben. Bei größeren Gebäuden heißt das z. B., dass der an einen Raum angrenzende Flur in beiden Richtungen jeweils in ein Treppenhaus, an eine Tür ins Freie oder in einen anderen gesicherten Bereich (benachbarter Brandabschnitt) mündet. Bei kleineren Gebäuden besteht der sog. zweite Rettungsweg meist in der sog. Anleitermöglichkeit für die Feuerwehr (ausreichend großes, gut erreichbares Fenster, Balkon usw.). Wie der zweite Rettungsweg realisiert wird, wird bei der Bauabnahme eines Gebäudes festgelegt und hängt von der erwarteten Personenzahl im Gebäude, vom Gefährdungspotenzial und weiteren örtlichen Gegebenheiten ab.

Die Bestimmungen der Landesbauordnung gelten prinzipiell für alle Gebäude, wobei es eine Fülle von Sondervorschriften, Abweichungen, Ausnahmen usw. gibt, z. B. für sehr kleine oder sehr große Gebäude, Gebäude bestimmter Nutzung, außerdem in bestimmten Fragen auch Bestandsschutz für Altbauten.

1.2 Arbeitsschutzrecht

Die Bestimmung der Arbeitsstättenverordnung und ihrer Regeln (ASR) sowie der Unfallverhütungsvorschriften gelten für Gebäude bzw. Bereiche, die als Arbeitsstätten genutzt werden.

Nach ASR A2.3 "Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan" sind Fluchtwege die Verkehrswege in einem Gebäude, "die der Flucht aus einem möglichen Gefährdungsbereich und i. d. R. zugleich der Rettung von Personen dienen". Im Gegensatz zu den im Baurecht definierten Rettungswegen müssen Fluchtwege immer selbstständig nutzbar sein, also auch ohne die Hilfe der Feuerwehr ins Freie oder in einen gesicherten Bereich führen. Nach ASR A2.3 ergibt sich die Notwendigkeit, ergänzend zu den baurechtlichen Bestimmungen einen zweiten, selbstständig nutzbaren Fluchtweg einzurichten, aus dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung. Möglicherweise kann es hier zu abweichenden Einschätzungen von bau- und arbeitsschutzaufsichtlichen Behörden kommen.

2 Länge und Breite von Flucht- und Rettungswegen

Die Länge von Flucht- und Rettungswegen wird als die Luftlinie angegeben (Tab. 1), wobei die tatsächliche Lauflänge, die sich durch Einrichtungen, Anlagen, Mobiliar usw. ergibt, maximal das 1,5-Fache betragen darf.

 
Länge Rettungsweg Luftlinie Räumlichkeiten Rechtsgrund­lagen
35 m in Wohn-, Verwaltungsgebäuden, Gewerbe, Industrie sowie in Arbeitsräumen ohne besondere Gefährdungen bzw. in brandgefährdeten Räumen mit selbsttätigen Feuerlöscheinrichtungen nach LBO und ASR
25 m in brandgefährdeten Räumen ohne selbsttätige Feuerlöscheinrichtungen
20 m in giftstoff- und explosionsgefährdeten Räumen
10 m in explosivstoffgefährdeten Räumen

Tab. 1: Länge von Flucht- und Rettungswegen

Diese Werte haben Richtwertcharakter. Übersichtlichkeit und Nutzung der Räume, Zahl der sich dort aufhaltenden Personen (Ortskundige oder Fremde) müssen berücksichtigt werden.

Die Breite von Flucht- und Rettungswegen bemisst sich nach der Höchstzahl der Personen, die im Bedarfsfall den Rettungsweg benutzen müssen (Tab. 2).

 
Personenzahl Fluchtwegbreite nach ASR A2.3
bis   5 0,875 m
bis  20 1,00 m
bis 200 1,20 m
bis 300 1,80 m
bis 400 2,40 m

Tab. 2: Breite von Flucht- und Rettungswegen

Die nutzbare Breite von Rettungswegen darf weder durch Bauteile noch durch Einrichtungen, wie Regale, Schränke oder aufschlagende Türen eingeengt werden. Die lichte Höhe muss mindestens 2 m betragen.

3 Wichtig zu wissen

  • Fluchtwege müssen entsprechend ASR A1.3 "Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung" gekennzeichnet werden. Bei besonderer Gefährdung kann auch ein Sicherheitsleitsystem erforderlich sein, das z. B. gefährdungsabhängig die Fluchtrichtung anzeigt (ASR A3.4/7 "Sicherheitsbeleuchtung, optische Sicherheitsleitsysteme").
  • Wenn bei Ausfall der Allgemeinbeleuchtung das gefahrlose Verlassen eines Bereichs nicht möglich ist, ist eine Sicherheitsbeleuchtung (ggf. auch als lang nachleuchtende Kennzeichnung) erforderlich.
  • Ein Flucht- und Rettungsplan ist aufzustellen, wenn Lage, Ausdehnung bzw. Art der Nutzung des Gebäudes es erfordern. Ausschlaggebend dafür ist entweder eine bauaufsichtliche Vorgabe oder die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers.
  • Wenn Personen mit Behinderung beschäftigt werden, müssen Flucht- und Rettungswege sowie Alarmierungseinrichtungen grundsätzlich den Anforderungen des Anhang A2.3 der ASR V3a.2 "Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsplätzen" entsprechen bzw. es müssen gleichwertige organisatorische Maßnahmen gefunden we...

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