Erste Hilfe / 3.5.10 Zeckenbiss

Bei der Arbeit in der Natur (Grünpflege, Baumarbeiten, Arbeiten im Straßenbegleitgrün, Reinigungsarbeiten in naturnahen Grünanlagen) besteht die Gefahr, dass Beschäftigte von Zecken gebissen werden. Zecken sind kleine Spinnentiere mit einer rot- bis hellbräunlichen Färbung. Die Größe einer Zecke beträgt etwa 1–2 mm und ist damit recht klein. Sobald sich die Zecke jedoch in vollgesogenem Zustand befindet, kann deren Größe auf bis zu 1 cm zunehmen. Zecken werden erst an warmen Frühlings- und Sommertagen bei Temperaturen ab 10 °C aktiv, in den hiesigen Breitengraden also zwischen März und November. Die Parasiten ernähren sich vom Blut ihres Wirts, also Tieren oder Menschen. Da die Zecken Krankheiten übertragen können, sollte man auf Stiche besonders achten und sich schützen.

FSME – Frühsommermeningoenzephalitis

FSME ist eine gefährliche Entzündung von Gehirn, Hirnhaut und Rückenmark. Pro Jahr erkranken rund 300 Menschen in Deutschland an FSME. Nach Ausbruch der Krankheit ist eine Therapie sehr schwierig. Bei etwa 10 % der infizierten Personen befällt das Virus das Nervensystem. Etwa 10 % dieser Patienten leiden an Spätfolgen. Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und Psychosen stehen im Vordergrund; Lähmungen sind selten. Etwa 1 % der Krankheitsfälle, bei denen das Nervensystem befallen ist, führt zum Tod.

FSME tritt nur in bestimmten Risikoregionen Deutschlands, welche vom Robert-Koch-Institut kartiert werden, auf. Wer aus beruflichen Gründen viel draußen ist und sich oft im Wald aufhält, für den ist eine Impfung wichtig. Eine FSME ist im typischen Fall durch einen zweiphasigen Krankheitsverlauf gekennzeichnet: Die ersten Anzeichen zeigen sich 4 Tage bis 4 Wochen nach dem Stich und dauern etwa 1 Woche. Der Betroffene verspürt dabei grippeartige Beschwerden: Fieber und allgemeine Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall.

Bei etwa 10 % der infizierten Personen kommt es nach einem kurzen, symptomfreien Intervall zum Übergang in die zweite Krankheitsphase mit neurologischer Symptomatik. Ein erneuter Fieberanstieg, heftige Kopf- und Gliederschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Schwindel, Übelkeit und Nackensteifigkeit mit starkem Krankheitsgefühl sind zu beobachten. In einigen Fällen treten zusätzlich Lähmungserscheinungen, Zittern und Bewusstseinsstörungen auf. Nach einer durchstandenen FSME hält die Immunität lebenslang an.

Borreliose

Eine weitere durch Zecken übertragene Erkrankung ist die Borreliose, an der jährlich ca. 50.000–100.000 Menschen erkranken. Borreliose ist weltweit verbreitet und wird durch Bakterien verursacht. Sie ist die häufigste von Zecken übertragene Krankheit in Europa. Bis zum Auftreten erster Krankheitsanzeichen können nach einem Zeckenbiss Wochen vergehen. Es ist deshalb immer ratsam, sich aufzuschreiben, wann genau die Zecke gefunden wurde. Ein Vermerk im Verbandbuch über den Biss ist notwendig.

Ein typisches Symptom für Borreliose ist eine Rötung der Haut um die Stichstelle herum, die sich langsam ausbreitet. In den Tagen nach dem Zeckenstich treten Übelkeit und grippeartige Symptome auf. Hauptmerkmal dieses Stadiums ist eine charakteristische, ringförmige Rötung, welche sich immer mehr ausdehnt (Wanderröte). Doch nur bei ca. 1/3 der Fälle treten diese Merkmale auf und so bleibt die Krankheit oft lange unerkannt! Je nachdem, welche Organe betroffen sind, kann es zu Hautveränderungen, Gelenk- oder Muskelbeschwerden oder einer Nerven- oder Hirnhautentzündung kommen. Unbehandelt geht die Krankheit in die zweite Phase über und kann zu bleibenden Schäden führen. Gegen Borreliose gibt es bisher keine Impfung. Die Krankheit kann jedoch gut behandelt werden, vorausgesetzt, sie ist nicht zu weit fortgeschritten.

Prävention und Zeckenentfernung

Bei der Arbeit geschlossene Arbeitskleidung tragen. Eine weitere simple, aber effektive Maßnahme kann helfen, einen Zeckenbiss zu vermeiden: beim Laufen durch hohe Gräser die Hose in die Schuhe oder Strümpfe stecken. Abwehrsprays helfen nur bedingt und stellen keinen zuverlässigen Schutz dar. Während und nach der Arbeit ist die Kleidung sehr gründlich nach Zecken abzusuchen.

Wenn eine Zecke zugestochen hat, sollte sie vorsichtig entfernt werden. Je schneller das nach dem Stich passiert, desto besser. Dazu wird z. B. eine feine Zeckenzange benutzt. Die Zecke möglichst dicht über der Haut packen und dann vorsichtig ziehen. Die Zecke sollte dabei nicht gequetscht oder gedreht werden, sonst gibt sie erst recht Erreger in die Wunde ab. Auf keinen Fall Klebstoff, Öl oder Nagellack auf eine saugende Zecke tun! Ist die Zecke vollständig entfernt, heilt der kleine Biss in ca. 4 Tagen.

Sollte es nach dem Zeckenbiss zu Hautausschlag, unklaren Grippesymptomen oder ähnlichen Ungereimtheiten kommen (auch noch Tage später), ist der Arzt zu informieren. Wer sicher gehen möchte, dass die Zecke kein FSME- oder Borreliose-Überträger war, sollte zum Arzt gehen. Sinnvoll ist es, die Zecke mitzunehmen, damit sie im Labor un...

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