Energieausweis (Nichtwohnge... / 2 Was sagt der Energieausweis aus?

Es gibt zwei verschiedene Energieausweise, entweder auf der Grundlage des berechneten Energiebedarfs oder des erfassten Energieverbrauchs. Der erfasste, also tatsächlich anfallende Verbrauch darf – mit Ausnahmen – nur für ältere Wohngebäude Grundlage sein. Für Neubauten und auch für alle Nichtwohngebäude muss der Energiebedarf von dafür befugten Personen errechnet werden.

Der Energieausweis muss in der von der EnEV vorgegebenen Form ausgestellt werden (Anlage 7 EnEV). Der Begriff Nichtwohngebäude umfasst eine große Anzahl unterschiedlichster Gebäude mit wiederum zahlreichen Unterschieden in Nutzung und Ausstattung.

Die Anforderungen gelten z. B. für

  • Büro- und Verwaltungsgebäude,
  • Schulen,
  • Krankenhäuser oder
  • Gewerbe- und Industriebauten.

Die Ermittlung des Energiebedarfs ist daher bestimmten Fachleuten gemäß § 21 EnEV vorbehalten, z. B. Studienabsolventen der Fachrichtungen Architektur, Hochbau, Bauingenieurwesen, Technische Gebäudeausrüstung, Bauphysik, Maschinenbau oder Elektrotechnik, für bestehende Wohngebäude auch bestimmte Handwerker sowie staatlich anerkannte oder geprüfte Techniker mit entsprechender Ausbildung.

Die Detailregelungen der energetischen Anforderungen an Nichtwohngebäude muss der Eigentümer also nicht kennen. Dennoch ist es für die Abschätzung möglicher Modernisierungsmaßnahmen hilfreich zu wissen, wo die Schwerpunkte liegen. Da die energetischen Anforderungen an Nichtwohngebäude detaillierter sind als an Wohngebäude (z. B. Einbeziehung von Klimaanlagen, Beleuchtung und Warmwasserbereitung) verweist die EnEV in Anlage 2 (Anforderungen an Nichtwohngebäude) auf die Normenreihe DIN V 18599. Sie stellt eine Methode zur Bewertung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden zur Verfügung.

Die DIN V 18599 enthält in 10 Teilen den gesamten Berechnungsgang für die Energiebilanz eines Gebäudes. Die Anforderungen an Heizung, Warmwasser oder Beleuchtung werden danach über ein Referenzgebäude festgelegt, das dem tatsächlichen Gebäude in Geometrie, Nettogrundfläche, Ausrichtung und Nutzung entspricht, dessen technische Ausführung jedoch nach Anlage 2 der EnEV definiert ist. Als Nebenanforderungen werden die energetische Qualität der Gebäudehülle und die Begrenzung des Sonneneintragskennwertes vorgeschrieben.

Die Ergebnisse dieser Berechnungen werden in einem einheitlich gestalteten Energieausweis dargestellt. Er enthält neben den Angaben zu dem berechneten Gebäude (Abb. 1) als wichtigste Kenngrößen in einer anschaulichen Farbgebung den Primärenergiebedarf des Gebäudes, den Endenergiebedarf und dessen Aufteilung (Abb. 2).

 

Wichtig

Was ist Primärenergie?

Als Primärenergie bezeichnet man die Energie, die mit den ursprünglich vorkommenden Energieformen oder Energiequellen zur Verfügung steht, etwa als Brennstoff (z. B. Kohle oder Erdgas) oder Energieträger, wie Sonne, Wind oder Kernbrennstoff.

Endenergie ist dagegen der – nach Umwandlungs- und Übertragungsverlusten – übrig gebliebene Teil der Primärenergie, die den Hausanschluss des Energienutzers passiert hat.

Abb. 1: Energieausweis für Nichtwohngebäude

Abb. 2: Berechneter Energiebedarf des Gebäudes

Die dritte Seite informiert über die erfassten Verbräuche von Strom und Heizenergie (Abb. 3).

Abb. 3: Erfasster Energieverbrauch des Gebäudes

Anschließend wird eine schriftliche Empfehlung für Modernisierungsmaßnahmen ausgestellt (Abb. 4). Seite 5 enthält Erläuterungen zum Energieausweis (ohne Abb.).

Abb. 4: Empfehlungen zur kostengünstigen Modernisierung

In größeren Gebäuden mit einer Nutzfläche von mehr als 250 qm (behördliche Nutzung) bzw. 500 qm (nicht behördliche Nutzung) und starkem Publikumsverkehr müssen die Energieausweise öffentlich ausgehängt werden (Abb. 5).

Abb. 5: Aushang des Energieausweises – auf der Grundlage des Energiebedarfs

Die EnEV nennt einige Ordnungswidrigkeiten bei Zuwiderhandlungen. Ein Eigentümer kann z. B. belangt werden, wenn der Energieausweis dem Interessenten nicht, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig vorgelegt wird. Auch wer einen Energieausweis ausstellt, ohne die entsprechende Berechtigung zu haben, handelt ordnungswidrig. Bei der Wahl des Sachverständigen ist also Vorsicht geboten: Die Verbraucherzentrale warnt vor unseriösen Anbietern und verweist auf die Energieeffizienz-Expertenliste der dena.

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