Elektrosmog

Zusammenfassung

 

Begriff

Elektrosmog ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für vermutete gesundheitsschädliche Wirkungen von elektromagnetischen Feldern, die bei der Nutzung elektrischer Energie in allen Lebensbereichen auftreten. Schwierig ist, dass mit dem Begriff unspezifisch befürchtete Gefahrenquellen zusammengefasst werden, die verschiedenste physikalische Eigenschaften haben, was ihr Auftreten im Alltag, ihre Intensität, Ausbreitung, Wirkungen auf den Organismus und mögliche Strahlenschutzmaßnahmen angeht. Sachlicher ist die Bezeichnung Elektromagnetische Umweltverträglichkeit (EMUV).

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Wegen der vielen unterschiedlichen Ausprägungen elektromagnetischer Felder bei der technischen Nutzung elektrischer Energie gibt es keine einheitliche Rechtsgrundlage. Wichtige Rechtsquellen sind:

  • Empfehlungen der Internationalen Kommission für den Schutz vor nicht ionisierender Strahlung (Expertengremium innerhalb der WHO), enthalten Grundsätze zu Strahlenschutzfragen, Grenzwerten usw.
  • Verordnung über elektromagnetische Felder (26. BImSchV) (für ortsfeste Anlagen).
  • DGUV Vorschrift 15 "Elektromagnetische Felder". Diese bezieht sich allerdings auf spezielle Anlagen und Arbeitsplätze, an denen stark erhöhte elektromagnetische Felder auftreten. Demgegenüber bezeichnet "Elektrosmog" eher die allgegenwärtige Strahlungsimmission durch die alltägliche Nutzung elektrischer Energie.
  • Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch elektromagnetische Felder (Arbeitsschutzverordnung zu elektromagnetischen Feldern – EMFV).

1 Physikalische Grundbegriffe

1.1 Arten von Strahlung

Das physikalische Phänomen Strahlung erstreckt sich über ein großes Spektrum unterschiedlicher Wellenlängen. Je größer die Wellenlänge und je geringer die Frequenz ist, desto weniger energiereich ist die Strahlung.

Ionisierende Strahlung

Ionisierende Strahlung deckt den oberen, energiereichen Teil des Spektrums ab. Die Energiedichte ist so hoch, dass Atome eines Stoffes ihre Kernstruktur grundlegend ändern und dabei energiereiche Strahlung aussenden (z. B. Radioaktivität, Röntgenstrahlung).

Nicht ionisierende Strahlung

Nicht ionisierende Strahlung ist von geringerer Intensität, sodass keine Ionisationsvorgänge an Atomen und Molekülen ausgelöst werden. Sie umfasst in der Reihenfolge zunehmender Energie:

  • statische elektrische und magnetische Felder (Frequenzbereich 0 Hz – 3 Hz): z. B. Erdmagnetfeld, elektrisches Feld zwischen 2 Polen einer Batterie;
  • niederfrequente elektromagnetische Felder (Frequenzbereich 3 Hz – 100 kHz): z. B. beim technischen Wechselstrom, damit also bei allen Formen der elektrischen Energieversorgung;
  • hochfrequente elektromagnetische Felder (Frequenzbereich 100 kHz – 300 GHz): z. B. Funk- und Mikrowellen, also der gesamte Bereich moderner Telekommunikation;
  • optische Strahlung (Wellenlängenbereich 1 mm – 10 nm): z. B. Infrarotstrahlung, Licht, UV-Strahlung.
 

Wichtig

Elektromagnetische Felder

Überall, wo elektrische Ladungen bewegt werden, entsteht neben einem elektrischen Feld auch ein entsprechendes Magnetfeld und umgekehrt. Da das immer zutrifft, wenn elektrische Energie technisch genutzt wird, wird häufig von elektromagnetischer Strahlung gesprochen, erst recht im Hochfrequenzbereich, wo die Wirkungen beider Felder kaum zu trennen sind.

Der Begriff Elektrosmog ist damit v. a. den nieder- und hochfrequenten elektromagnetischen Feldern zuzuordnen.

1.2 Niederfrequenzbereich (NF-Felder)

1.2.1 Elektrische Felder

Die elektrische Feldstärke wird in V/m bestimmt. Ein elektrisches Feld erzeugt auf der Oberfläche in Reichweite befindlicher leitfähiger Körper (auch auf dem menschlichen Körper) eine Verschiebung elektrischer Ladungen. Das führt zu einer Aufladung dieser Oberflächen und in der Folge zu geringen Ausgleichsströmen, die im Körper fließen, während das elektrische Feld im Köperinneren ansonsten keine direkten Auswirkungen hat. Deswegen lassen sich elektrische Felder leicht abschirmen, z. B. durch eine Blende aus leitfähigem Material. Außerdem nimmt die Intensität der Strahlung mit dem Abstand zur Quelle exponentiell ab.

Ab einer gewissen Intensität können Menschen die durch elektrische Felder erzeugte Aufladung auf der Köperfläche wahrnehmen (durch das Flimmern der Härchen auf der Haut, durch Kribbeln oder Hautrötungen), wobei die Wahrnehmungsschwelle individuell verschieden ist ("Elektrosensibilität").

Niederfrequente elektrische Felder treten im Frequenzbereich von 3 hz bis 100 khz auf, in den die Stromversorgung im Haushalt und am Arbeitsplatz ebenso fällt wie die Energieversorgung von Bahnstrecken und der Transport von Energie in Hochspannungsleitungen.

1.2.2 Magnetische Felder

Die Stärke magnetischer Felder wird als A/m bestimmt. Sie ist mit der Stärke des zugehörigen elektrischen Feldes direkt verknüpft: Je größer die Stromstärke im entsprechenden Leiter ist, desto höher ist auch die magnetische Feldstärke, wobei die Energiedichte im Feld sehr ungleichmäßig sein kann.

In der Praxis wird statt der magnetischen Feldstärke oft die sog. magnetische Flussdichte in der Einheit Tesla (T) angegeben, wobei beide Werte direkt proportional verbunden sind (80...

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