DIN SPEC 91020: Leitlinien für ein erfolgreiches Gesundheitsmanagement im Betrieb

Zusammenfassung

 

Überblick

Im Sommer 2012 wurde die DIN SPEC 91020 "Betriebliches Gesundheitsmanagement" veröffentlicht. Die Spezifikation beinhaltet Standards für betriebliche Gesundheitsmanagementsysteme und unterstützt damit den Aufbau und die Implementierung des betrieblichen Gesundheitsmanagements im Unternehmen. In diesem Beitrag werden die Kerninhalte der DIN SPEC 91020 vorgestellt und die wesentlichen Anforderungen erläutert, die sich daraus für ein Gesundheitsmanagementsystem ergeben. Darüber hinaus werden die Vor- und Nachteile der Anwendung der DIN SPEC diskutiert und die Anwendungseignung für Organisationen erörtert.

1 Standard für Gesundheitsmanagement

Unternehmen sind heutzutage einer Vielzahl unterschiedlicher Herausforderungen ausgesetzt: Der globale Wettbewerb ist gekennzeichnet von anhaltendem Wandel, Globalisierung, Innovations- und Konkurrenzdruck. Die Folge dieser Entwicklungen lässt sich in der Arbeitswelt u. a. in Form von steigenden Leistungsanforderungen und beständiger Verdichtung von Arbeitsprozessen beobachten. Verschärfend wirken sich der demographische Wandel sowie der damit einhergehende Fachkräftemangel aus.

Die unmittelbaren Auswirkungen der Entwicklungen haben direkten Einfluss auf die Mitarbeiter. So ist zu beobachten, dass sich die Arbeitszufriedenheit[1] und die allgemeine Gesundheitssituation[2] verschlechtern. Zwar bewegen sich die durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeitstage auf einem niedrigen Niveau, jedoch zeigt der aktuelle Trend einen erneuten Anstieg in den Krankentagen.[3] Prekärer ist die Veränderung bei den Krankheitsarten einzuschätzen. Hier wird erkennbar, dass parallel zur Beschleunigung der Arbeitswelt die psychischen Belastungen und Beanspruchungen ansteigen und diese nunmehr die zweithäufigste Ursache für Krankschreibungen sind.[4]

Der von Gallup Deutschland jährlich durchgeführte Engagement-Index zeigt, dass die emotionale Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen weiter sinkt. So kann davon ausgegangen werden, dass 23 % der befragten deutschen Mitarbeiter bereits innerlich gekündigt haben (keine emotionale Bindung). Lediglich 14 % geben eine hohe emotionale Bindung an, die restlichen 63 % verfügen über eine geringe Bindung. Diese fehlende Bindung zeigt sich nicht nur in einer geringeren Leistungsbereitschaft, sondern auch durch mehr Fehltage im Vergleich zu Mitarbeitern mit höherer Bindung (+3,5 Fehltage) sowie erhöhten Fluktuationsneigungen. Der auf die innere Kündigung zurückzuführende volkswirtschaftliche Gesamtschaden wird von Gallup-Deutschland mit 122,3 bis 124,0 Mrd. EUR angegeben.[5]

In dieser Situation erhält die Gesunderhaltung der Mitarbeiter für Unternehmen eine immer höhere Bedeutung. Die Integration des Gesundheitsgedankens in bestehende und sich entwickelnde Prozesse, Strukturen und Managemententscheidungen sowie das Angebot von gesundheitsförderlichen Hilfestellungen und Angeboten können bei der Erhaltung und Förderung der Mitarbeitergesundheit unterstützen.

Auf dieser Grundlage hat sich im Laufe der letzten Jahre ein komplexer Markt mit unterschiedlichsten Angeboten sowie Ausbildungen entwickelt. Diese Diversität bedingt jedoch eine erschwerte Orientierung darüber, welche die jeweils passende Maßnahme bzw. personelle Unterstützung für den gegenwärtigen Bedarf eines Unternehmens ist. Zudem kann keine Aussage über die Qualität der jeweiligen Konzeptionen gemacht werden, da die Breite des Angebots durch die hohe Nachfrage bestimmt wird.

 

Wichtig

DIN SPEC 91020 bringt Mindeststandards

Hier setzt die DIN SPEC 91020 an, indem sie inhaltliche, prozessbezogene und qualitative Mindeststandards für ein Betriebliches Gesundheitsmanagementsystem (BGM) anregt und damit grundlegende Voraussetzungen für gesunde Arbeitsbedingungen und die Gesundheits- und Leistungsförderung der Mitarbeiter schafft. Zudem erlaubt die Form der Spezifikation die Integration in bereits bestehende Managementsysteme.

2 Was ist die DIN SPEC 91020?

Die DIN SPEC 91020 ist eine Spezifikation, die vom Deutschen Institut für Normung herausgegeben wird. Sie beschreibt Anforderungen an ein Betriebliches Gesundheitsmanagementsystem und leistet damit Hilfestellung bei der Konzeption, Implementierung und Weiterentwicklung eines BGM. Ferner kann die Spezifikation von Betrieben, Akkreditierungsgesellschaften und Zertifizierungsstellen zur Bewertung einer Organisation herangezogen werden. Das ermöglicht Unternehmen, das betriebseigene BGM auf Grundlage der festgelegten Anforderungen der DIN SPEC zertifizieren zu lassen. Die Spezifikation ist keine für alle verbindliche Norm, sondern stellt ein standardisiertes Managementsystem dar, nach dem sich Unternehmen bezüglich ihres Gesundheitsmanagements freiwillig richten und zertifizieren lassen können.

Entstanden ist die DIN SPEC nach dem PAS-Verfahren (Publicly Available Specification). Dabei erarbeitet ein temporär zusammengestelltes Gremium aus unterschiedlichen Interessengruppen unter Beratung des Deutschen Instituts für Normung die Spezifikation.

Im Gegensat...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Arbeitsschutz Office. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Arbeitsschutz Office 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.



Meistgelesen