Die Verordnung über Arbeits... / 3.2.3 Fluchtwege und Notausgänge (Anhang 2.3)

Die Vorschrift verfolgt das Schutzziel, dass sich die Beschäftigten im Notfall unverzüglich in Sicherheit bringen und schnell gerettet werden können. Sie knüpft an § 4 Abs. 4 an. Dort finden sich einige Grundregeln, die beim Betreiben von Arbeitsstätten im Hinblick auf Fluchtwege und Notausgänge zu beachten sind (s. o. Abschn. 2.5.). In Abschn. 4 Abs. 1 ASR A2.3 "Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan" wird ausdrücklich darauf verwiesen, dass zusätzlich die Regelungen zum Errichten von Rettungswegen des Bauordnungsrechts der Länder zu beachten sind.

Laut Anhang 2.3 Abs. 1 Buchst. a) ArbStättV müssen Fluchtwege und Notausgänge sich in Anzahl, Anordnung und Abmessungen nach der Art der Nutzung und der konkreten Einrichtung, nach den Abmessungen der Arbeitsstätte und nach der höchstmöglichen Zahl der dort anwesenden Personen richten. Die Anzahl der erforderlichen Fluchtwege ist per Gefährdungsbeurteilung unter Berücksichtigung bauordnungsrechtlicher Vorschriften, die häufig 2 unabhängige Rettungswege für eine Nutzungseinheit verlangen, und der konkreten Umstände vor Ort festzulegen. Für die Zahl der erforderlichen Fluchtwege und Notausgänge ist vor allem der Grundsatz aus Anhang 2.3 Abs. 1 Buchst. b) ArbStättV maßgeblich, dass ein möglichst kurzer Fluchtweg einzurichten ist (s. u.), sowie die höchstmögliche Zahl der jeweils anwesenden Personen. Bei der Personenzahl sind nicht nur Beschäftigte, sondern auch Kunden, Gäste usw. einzubeziehen. Für das Erfordernis eines zweiten unabhängigen Fluchtweges kann neben der hohen Personenzahl auch eine erhöhte Brandgefahr sprechen (siehe Abschn. 4 Abs. 5 ASR A2.3). Tabellarisch ist in Abschn. 5 Abs. 3 ASR A2.3 die Mindestbreite der Fluchtwege in Abhängigkeit von der Anzahl der Personen festgelegt, die den Weg im Notfall nutzen. Die nunmehr geltenden Maße unterscheiden sich von denen der alten Arbeitsstätten-Richtlinie ASR 10/1. Die Werte liegen je nach Personenzahl jetzt teils niedriger, teils höher als nach der alten Richtlinie.

Bei der Zahl und Anordnung der Fluchtmöglichkeiten ist stets darauf zu achten, dass sie auf möglichst kurzen Wegen ins Freie führen, Anhang 2.3 Abs. 1 S. 1 Buchst. b). Maximale Fluchtweglängen ergeben sich aus Abschn. 5 Abs. 2 ASR A2.3. Die Fluchtweglänge ist die kürzeste Wegstrecke in Luftlinie gemessen vom entferntesten Aufenthaltsort bis zu einem Notausgang. Die tatsächliche Laufweglänge darf nicht mehr als das 1,5-fache der Fluchtweglänge betragen. In erster Linie sollen Fluchtwege und Notausgänge ins Freie führen. Wenn ein Weg ins Freie nicht möglich oder wesentlich länger und gefahrträchtiger ist, kann der Weg auch in einen gesicherten Bereich führen. Laut Abschn. 6 Abs. 5 ASR A2.3 muss sichergestellt sein, dass sich am Ende eines Fluchtweges kein Rückstau bilden kann, weil z. B. der freie Platz begrenzt oder etwa durch eine öffentliche Straße gefährdet ist.

Die Kennzeichnungsanforderungen gemäß Anhang 2.3 Abs. 1 Satz 1 Buchst. c) sollen den Fliehenden alle erforderlichen Informationen für eine sichere und schnelle Flucht vermitteln. Maßgeblich sind dabei in erster Linie die Rettungszeichen gemäß Anhang 1 Nr. 4 ASR A1.3 "Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung". Bei einer erhöhten Gefährdung (z. B. hoher Anteil ortsunkundiger Personen) ist ein Sicherheitsleitsystem gemäß Abschn. 7 Abs. 2 ASR A2.3 einzurichten. Einzelheiten hierzu sind Abschn. 5 ASR A3.4/3 zu entnehmen. Notausgänge und Notausstiege sind laut Abschn. 7 Abs. 3 ASR A2.3 – sofern von außen zugänglich – auf der Außenseite mit dem Verbotszeichen "P023 Abstellen oder Lagern verboten" zu kennzeichnen und ggf. zusätzlich zu sichern (z. B. Abstandsbügel). Zudem sind die Türen mit einem Hinweis auf die Öffnungsrichtung (z. B. Aufkleber "Drücken" oder "Ziehen") zu versehen, sofern die Fluchtrichtung nicht eindeutig zu erkennen ist.

Fluchtwege und Notausgänge müssen mit Sicherheitsbeleuchtung ausgerüstet sein, wenn sonst ein gefahrloses Verlassen der Arbeitsstätte nicht gewährleistet ist, Anhang 2.3 Abs. 1 Satz 2. Wenn sich in einer Arbeitsstätte Beschäftigte nur in Zeiten aufhalten, in denen das Tageslicht über Fenster, Glaswände, Oberlichter oder andere Einrichtungen genügend Licht erhellt, kann eine Sicherheitsbeleuchtung entbehrlich sein. Weitere Regeln zur Erforderlichkeit einer Sicherheitsbeleuchtung für Fluchtwege und Notausgänge ergeben sich aus Abschn. 8 ASR A2.3. Die exakte Ausführung der Sicherheitsbeleuchtung wird in Abschn. 4 und 6 ASR A3.4/3 erläutert.

Anhang 2.3 Abs. 2 enthält Anforderungen an Türen im Verlauf von Fluchtwegen (Türen zwischen 2 Brandabschnitten sowie Ausgangstüren ins Freie oder in einen sicheren Bereich). Einzelheiten ergeben sich aus Abschn. 6 Abs. 1–4 ASR A2.3 sowie aus Abschn. 9 ASR A1.7.

 

Achtung

Türen in Fluchtwegen

Türen im Verlauf von Fluchtwegen und Türen von Notausgängen müssen sich von innen ohne besondere Hilfsmittel und jederzeit leicht öffnen lassen, Anhang 2.3 Abs. 2 Satz 1 Buchst. a). Die sog. Schlüsselkasten-Lösung, bei der sich ...

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