Demografischer Wandel im Unternehmen – Rolle des Arbeitsschutzes

Zusammenfassung

 

Überblick

Der demografische Wandel, die Globalisierung und der technologische Fortschritt sind einige der wichtigen Herausforderungen der Zukunft für Unternehmen. Sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartung führen dazu, dass sich die Altersstruktur Deutschlands mittel- und langfristig gravierend verändern wird. Das führt dazu, dass den Unternehmen in Zukunft weniger und im Durchschnitt ältere Beschäftigte zur Verfügung stehen. Die Herausforderung für den betrieblichen Arbeitsschutz besteht darin, mithilfe eines nachhaltigen Gesundheitsmanagements möglichst viele Beschäftigte bis zum Rentenalter gesund und arbeitsfähig zu erhalten. Dieser Fachbeitrag zeigt mögliche Ansätze dafür.

1 Alterung der Gesellschaft

Der demografische Wandel wird im Wesentlichen beeinflusst durch:

  • die Geburtenrate,
  • die Sterblichkeit und
  • die Migration.

Eine gravierende Veränderung der Sterblichkeit hat sich in Deutschland schon vor mehr als 100 Jahren vollzogen und damit den demografischen Wandel initiiert. Der Altersaufbau verändert sich dabei von der typischen Alterspyramide (1900) zur "Altersurne" heute. Bereits im Jahr 2013 war die stärkste Altersklasse in Deutschland die der Über-50-Jährigen.

Die für 2060 prognostizierte Bevölkerungszahl schwankt je nach angenommenem Wanderungsgewinn zwischen 68 und 73 Mio. Ende 2013 lebten in Deutschland ca. 81 Mio. Menschen.

Abb. 1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland 1910, 1950, 2013 und 2060[1]

Einige weitere eindrucksvolle Prognosen für die Entwicklung der Bevölkerung im Erwerbsalter in Deutschland (Quelle: Statistisches Bundesamt, vgl. auch Abb. 1):

  • Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter (20- bis 65-Jährige) lag 2013 bei ca. 49 Mio., nimmt jedoch bis 2035 auf 39 bis 41 Mio. und bis 2060 auf 34 bis 38 Mio. ab.
  • Im Jahr 2013 befanden sich 61 % der Menschen im Erwerbsalter, 2060 werden es noch 51 % sein.
  • Der Anteil der jüngeren Erwerbsfähigen (20- bis 29-Jährige) betrug 2013 12 % und wird sich bis 2060 auf 10 % verringern.
  • Der Anteil der erwerbsfähigen 30- bis 49-Jährigen sinkt von 27 % auf 24 %, der Anteil der 50- bis 64-Jährigen sinkt von 22 % auf 19 % bis 2060. Der Anteil der Beschäftigten über 65 Jahre steigt dagegen. Die Belegschaft in den Unternehmen wird durch die Älteren geprägt.
  • Die Jugendlichen im Ausbildungsalter (16- bis 20-Jährige) zählten 2006 noch 4 Mio. Diese Zahl hat sich bereits im Jahr 2012 auf ca. 3 Mio. verringert. Ein Mangel an Auszubildenden zeichnet sich ab.

2 Auswirkungen auf Gesellschaft und Arbeitswelt

Bei den Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Gesellschaft wird vor allem der Einfluss auf die sozialen Sicherungssysteme (insbesondere Renten- und Krankenversicherung) in der Öffentlichkeit diskutiert und wahrgenommen. Als brisant gilt v. a. die zunehmende Zahl von Rentnern je Beitragszahler: Während 1960 für einen Rentner 5 Beitragszahler aufkamen, wird es im Jahr 2030 ebenso viele Beitragszahler wie Rentner geben. Die älter werdende Bevölkerung als Folge des demografischen Wandels hat auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Unternehmen. Damit verbunden sind folgende zentrale Fragen von enormer Bedeutung:

  • Können die wirtschaftlichen Herausforderungen mit einer älteren Belegschaft überhaupt bewältigt werden?
  • Wird der demografische Wandel einen Mangel an Arbeitskräften verursachen?
  • Wie werden die Unternehmen damit umgehen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge sich gemeinsam in die Rente verabschieden und ihre Kompetenzen und ihr Erfahrungswissen mitnehmen?
  • Wie können sich Unternehmen schon jetzt auf die älter werdende Belegschaft einstellen?

Die Altersstruktur verschiebt sich dabei deutlich zugunsten der Älteren (Tab. 1).

 
Jahr 20 bis 29 Jahre 30 bis 49 Jahre 50 bis 64 Jahre
2013 12 % 27 % 22 %
2030: Variante 1 10 % 25 % 20 %
2030: Variante 2 10 % 26 % 20 %
       
2060: Variante 1 10 % 23 % 18 %
2060: Variante 2 10 % 24 % 19 %

Tab. 1: Bevölkerung im Erwerbsalter von 20 bis 65 Jahren (verschiedene Varianten ergeben sich aus der unterschiedlichen Stärke der angenommenen Zuwanderung)[1]

 

Wichtig

Verrentung der Babyboomer reduziert Belegschaften

Die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er-Jahre (Babyboomer) stellen heute überwiegend die Kernbelegschaft dar. Als "Aktivposten" unter Innovations- und Leistungsgesichtspunkten tragen sie den Unternehmenserfolg auf ihren Schultern. In einigen Jahren werden sie zu älteren Arbeitnehmern und en bloc in den Ruhestand gehen, was in vielen Unternehmen zu Problemen führen wird.

Aus der heute gestauchten Alterspyramide wird dann eine "umgekehrte Alterspyramide".

Zur Veränderung der individuellen Altersstruktur haben beigetragen:

  • die Unternehmen selbst (Vorruhestandsregelung),
  • die sozialen Sicherungssysteme (u. a. Frühverrentung, Kündigungsschutz für Ältere, Senioritätsregelungen bei der Entlohnung).

Der in den Personalabteilungen praktizierte Jugendwahn beruht u. a. darauf, dass ein älterer Arbeitnehmer mit gleicher Qualifikation dadurch deutlich teurer ist als die junge, dynamische Arbeitskraft. Diese Vorgehensweise ist in Zeiten von weniger jungen Fachkräften au...

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