Brandschutz beim Umgang mit... / 2 Brennbare Flüssigkeiten

2.1 Allgemeine Sicherheitsregeln zum Umgang mit brennbaren Flüssigkeiten

Weil das Gefahrenpotenzial von brennbaren Flüssigkeiten hoch ist, ist es wichtig, die allgemeinen Regeln zum Umgang mit Gefahrstoffen zu erfüllen:

  • Gefährdungsbeurteilung erstellen: Welche Stoffe werden wo eingesetzt?
  • Informationen vorhalten: Gefahrstoffverzeichnis, Sicherheitsdatenblätter, Betriebsanweisungen aktuell halten. Bei dieser Gelegenheit sollten Reste brennbarer Flüssigkeiten, die sich in Werkstätten, Abstellräumen oder Garagen häufig ansammeln, konsequent entsorgt werden.
  • Substitution bzw. Verfahrensänderungen prüfen: Im Bereich der Vermeidung von brennbaren Flüssigkeiten zugunsten weniger gefährlicher Stoffe hat sich in den letzten Jahren viel getan (Beschichtungsstoffe, Reinigungsmittel). Wo möglich, sollte auf weniger kritische Ersatzstoffe umgestellt werden. Andernfalls können oft wenigstens die Mengen reduziert oder geschlossene Anlagen eingesetzt werden (z. B. Teilereinigungsmaschinen).
  • Unterweisen der Beschäftigten: Informationen geben, Verhalten trainieren, Motivation schaffen. Viele sichere Verhaltensregeln "nutzen sich mit der Zeit ab", zumal wenn, was zu hoffen ist, keine Zwischenfälle vorkommen. Praktische Fallbeispiele und geeignete Experimente können dazu beitragen, das Bewusstsein zu schärfen.

Dämpfe brennbarer Flüssigkeiten sind meistens schwerer als Luft und – je nach Stoff und Umgebungsbedingungen – mehr oder weniger explosiv. Gerade bei Störfällen (Leckagen, Auslaufen, Verschütten) sollte das berücksichtigt werden. Auf gute Lüftung ist zu achten, Zündquellen müssen vermieden werden, Aufnahmemittel sicher entsorgt werden. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Substanz in Abflussleitungen, Schächte usw. eingedrungen sein könnte. Im Zweifel sollte in solchen Fällen unbedingt die Feuerwehr informiert werden.

Vorsicht beim Umgang mit Leergebinden: gerade wenn nur noch ein Restinhalt vorhanden ist, kann sich mit dem Luftsauerstoff eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre bilden und u. U. noch nach langer Lagerzeit bestehen (vgl. Abb. 1). Solche "leeren" Fässer, Kanister usw. dürfen ohne weitere Schutzmaßnahmen (Auslüften, Fluten mit Stickgas oder Wasser, vgl. Abb. 2 und 3) nicht bearbeitet werden (Schweißen, Schneiden usw.). Unterschätzt wird auch oft die Tatsache, dass sich Gemische brennbarer Flüssigkeiten anders verhalten, als das Verhältnis der Ausgangssubstanzen. So senken geringe Mengen Benzin im Dieselkraftstoff den Flammpunkt bereits erheblich. Ähnliches kann auch beim Vermischen anderer (Rest-)Substanzen passieren.

Abb. 1: Explosionsgefahren brennbarer Flüssigkeiten

Abb. 2: Feuerarbeiten mit Wasserfüllung

Abb. 3: Inertisierung durch Stickgas

2.2 Rechtliche Regelungen zum Umgang mit brennbaren Flüssigkeiten

Brennbare Flüssigkeiten werden nach GHS eingestuft, wie in Tab. 1 gezeigt:

 
Frühere Bezeichnung (nach 67/548/EWG) Entzündliche Flüssigkeiten
hochentzündlich leichtentzündlich entzündlich
Flammpunkt < 0 °C < 21 °C 21–55 °C
Siedepunkt ≤ 35 °C
Bezeichnung GHS/CLP (nach 1272/2008/EG) Entzündbare Flüssigkeiten
Kategorie 1 Kategorie 2 Kategorie 3
Flammpunkt < 23 °C 23 °C ≤ FP ≤ 60 °C
Siedebeginn ≤ 35 °C > 35 °C
GHS-Signalwort GEFAHR GEFAHR ACHTUNG
Kennzeichnung nach GHS (für Stoffe bzw. für Gemische ab 2015) H224: Flüssigkeit und Dampf extrem entzündbar H225: Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar H226: Flüssigkeit und Dampf entzündbar
Beispiele Benzin (Ottokraftstoff) Spiritus (Ethanol), Petrolether Dieselkraftstoff

Tab. 1: Einteilung brennbarer Flüssigkeiten

2.3 Lagern brennbarer Flüssigkeiten

In Anhang 1 Nr. 1 Gefahrstoffverordnung heißt es zur Lagerung von Gefahrstoffen allgemein:

Zitat

(1) Gefahrstoffe dürfen nur an dafür geeigneten Orten gelagert werden. Sie dürfen nicht an solchen Orten gelagert werden, an denen dies zu einer Gefährdung der Beschäftigten oder anderer Personen führt.

(2) In Arbeitsräumen dürfen Gefahrstoffe nur gelagert werden, wenn die Lagerung mit dem Schutz der Beschäftigten vereinbar ist und in besonderen Einrichtungen erfolgt, die dem Stand der Technik entsprechen.

 

Wichtig

Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten in ortsbeweglichen Behältern

Angaben zu Sicherheitsmaßnahmen bei Umgang und Lagerung brennbarer Flüssigkeiten enthält neben der Gefahrstoffverordnung vor allem die TRGS 510 "Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern", die im betrieblichen Alltag große Bedeutung für die Gefahrstofflagerung hat – auch und gerade in Betrieben, in denen der Umgang mit Gefahrstoffen nicht Unternehmensziel ist.

Nach TRGS 510 ist die Lagerung brennbarer Flüssigkeiten in ortsbeweglichen Behältern generell unzulässig in Verkehrswegen, wie Treppenräumen, Fluren, Flucht- und Rettungswegen, Durchgängen, Durchfahrten und engen Höfen, sowie in Pausen-, Bereitschafts-, Sanitär-, Sanitätsräumen oder Tagesunterkünften, ebenso in Wohnungen.

Vergleichbares gilt für die Lagerung in ortsfesten Behältern (TRGS 509).

 

Wichtig

Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten in ortsfesten Behältern

Weitere TRGS beziehen sich auf spezielle Situationen, z. B. die TRGS 509 Lagern von flüssigen und festen Gefahrstoffen in ortsfesten Behältern sowie F...

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