Aus dem Explosionsschutzdokument muss hervorgehen, welche brennbaren Stoffe auftreten können und welche für den Explosionsschutz relevante Eigenschaften diese haben. Diese Eigenschaften werden durch sicherheitstechnische Kenngrößen charakterisiert. Sicherheitstechnische Kenngrößen sind quantitative Aussagen über Stoffeigenschaften, die für die Beurteilung von Explosionsgefahren und für die Festlegung von Schutzmaßnahmen maßgebend sind und in der Regel von der benutzten Messmethode abhängen. Sicherheitstechnische Kenngrößen sind keine physikalischen Konstanten.

Die sicherheitstechnischen Kenngrößen gelten in der Regel für atmosphärische Bedingungen, das heißt für Temperaturen zwischen - 20 °C und + 60 °C, Drücke zwischen 0,8 bar und 1,1 bar sowie Luft mit ca. 21 Vol-% Sauerstoff. Bei anderen Bedingungen kann es zu Abweichungen von den sicherheitstechnischen Kenngrößen kommen.

Sicherheitstechnische Kenngrößen können dem Sicherheitsdatenblatt, Datenbanken oder Nachschlagewerken entnommen werden, z. B. Chemsafe, GESTIS, GisChem[1].

Bei Stäuben haben sicherheitstechnische Kenngrößen aus Datenbanken nur orientierenden Charakter, da das Brand- und Explosionsverhalten von Stäuben unter anderem von der Feuchte, der Korngrößenverteilung und der Oberflächenbeschaffenheit abhängt. Da diese Kenngrößen sich auch im Prozess ändern, werden häufig Wertebereiche angegeben.

Sind die für die Gefährdungsbeurteilung und die Ableitung der Schutzmaßnahmen relevanten sicherheitstechnischen Kenngrößen - insbesondere bei nicht atmosphärischen Bedingungen - nicht bekannt, sind diese zu ermitteln bzw. abzuschätzen.

Treten verschiedene brennbare Stoffe am Arbeitsplatz auf, so sind die Gefahrstoffe mit den größten Gefährdungen, z. B. diejenigen mit dem niedrigsten Flammpunkt, der niedrigsten Zündtemperatur oder dem weitesten Explosionsbereich der im folgenden Abschnitt beschriebenen Gefährdungsbeurteilung und den zutreffenden Schutzmaßnahmen zugrunde zu legen.

Hybride Gemische, d. h. Gemische aus brennbaren Stoffen verschiedener Aggregatzustände, können im Gemisch mit Luft oder anderen Oxidationsmitteln auch explosionsfähig sein, wenn für die Einzelkomponenten den sicherheitstechnischen Kenngrößen zufolge sichere Bedingungen vorliegen.

Angaben im Explosionsschutzdokument:

  • Bezeichnung der Stoffe
  • Sicherheitstechnische Kenngrößen unter Berücksichtigung der Umgebungsbedingungen (Druck, Temperatur, Oxidationsmittel)

Von Bedeutung sind z. B. die folgenden sicherheitstechnischen Kenngrößen:

bei brennbaren Flüssigkeiten und Gasen:

  • Flammpunkt
  • Untere und obere Explosionsgrenze
  • Dichteverhältnis zu Luft
  • Zündtemperatur (Temperaturklasse)
  • Explosionsgruppe
  • Sauerstoffgrenzkonzentration
  • Dampfdruck

bei brennbaren Stäuben:

  • Korngrößenverteilung
  • Untere Explosionsgrenze
  • Mindestzündenergie
  • Maximaler Explosionsdruck
  • KSt-Wert
  • Mindestzündtemperatur einer Staubwolke
  • Mindestzündtemperatur einer Staubschicht (bei 5 mm-Staubschicht: Glimmtemperatur)
  • Sauerstoffgrenzkonzentration
  • Brennzahl
  • Selbstentzündungstemperatur

Die Bedeutung der genannten Begriffe kann Abschnitt 7 dieser Schrift entnommen werden.

[1] Siehe Anhang 3 Nr. 5 und 6.

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