Dächer sind in vielen Fällen nicht ausschließlich "der obere Abschluss eines Gebäudes", sondern auch Verkehrsweg und Arbeitsplatz. Technische Einrichtungen, die der Inspektion, Wartung und Instandsetzung bedürfen, werden oftmals auf Dächern installiert. Sie sind häufig nur über die Dachfläche zu erreichen. Hierzu müssen sichere Verkehrswege und Arbeitsplätze zur Verfügung stehen.

Es treten jedoch auch Ausnahmesituationen auf, die ein kurzfristiges, unplanmäßiges Handeln erforderlich machen. Bei starkem Schneefall müssen Dachflächen von den Schneelasten befreit, bei Unwetter müssen die durch Laub verstopften Regenabflüsse gereinigt werden.

In der Praxis hat sich gezeigt, dass auf Dächern in vielen Fällen Schutzeinrichtungen gegen Absturz fehlen oder unzureichend sind. Beispielsweise führen Verkehrswege auf Dächern unmittelbar an den ungeschützten Gebäudeaußenkanten entlang oder sie werden direkt an nicht tragenden Einbauten vorbeigeführt.

Arbeitsplätze und Verkehrswege an oder in der Nähe von Absturzkanten oder nicht durchsturzsicheren Einbauten sind häufig nicht gegen Absturz oder herabfallende Gegenstände gesichert. Im schlimmsten Fall können durch Verunreinigungen, Schneefall, Laub oder Wasser die Gefahrstellen nicht einmal gesehen werden.

Diese Situationen haben in der Vergangenheit häufig zu schwersten und nicht selten zu tödlichen Absturzunfällen geführt.

Unfallbeispiele

Beschäftigter stürzt durch Lichtkuppel – fahrlässige Tötung

Ein Beschäftigter hatte von seinem Vorgesetzten den Auftrag erhalten, den Auslauf eines Getreidefördererrohres zu verstellen, da sich das Getreide an der Auslassöffnung staute. Um zum Auslaufrohr zu gelangen, musste er aus dem zweiten Geschoss eines Silogebäudes über einen Notabstieg auf das Flachdach einer alten Lagerhalle (Fläche des Daches ca. 10 × 18 m) absteigen und sich auf diesem Dach bis zur Auslaufstelle begeben. Auf dem Dach der alten Lagerhalle befanden sich mehrere ca. 20 cm hohe Lichtkuppeln, die parallel zur Förderanlage angeordnet waren. Die Lichtkuppeln waren nicht durchtrittsicher. Sie waren weder abgedeckt, noch durch andere Maßnahmen (Gitter oder Fangnetze unterhalb der Lichtkuppeln) gesichert. Auf dem Weg zur Auslaufstelle stürzte der Beschäftigte durch eine der Lichtkuppeln auf den ca. 6,50 m tiefer liegenden Betonboden der Getreidelagerhalle. Beim Aufprall auf den Boden erlitt er massive Schädel- und Hirnverletzungen, die seinen Tod zur Folge hatten.

Gefahr unterschätzt: Tödlicher Absturz

Auf dem Flachdach einer Halle sollte eine Rohrdurchführung hergestellt werden. Das Hallendach war mit begehbaren Trapezblechen und nicht begehbaren, lichtdurchlässigen Kunststoffplatten gedeckt. Der Mitarbeiter einer Dachdeckerfirma stieg über eine Anlegeleiter auf das Hallendach, um zu prüfen, wie die Arbeiten auszuführen sind. Der Mann ging nicht direkt zur vorgesehenen Arbeitsstelle, sondern begab sich in die Nähe der lichtdurchlässigen, nicht begehbaren Kunststoffplatten. Dabei rutschte er auf den feuchten, spiegelglatten Trapezblechen aus und stürzte durch die nicht tragfähigen Kunststoffplatten etwa 3 m tief auf den darunter liegenden Betonboden (Bild 1). Er zog sich schwere Kopfverletzungen zu und starb am nächsten Tag im Krankenhaus.

Unfallursächlich war der unnötige Aufenthalt in diesem gefährlichen Bereich. Eine Gefährdungsbeurteilung hätte die Gefahr des Ausrutschens und des Sturzes durch die Lichtplatte von vornherein erfassen müssen. Dies hatte der Unternehmer jedoch versäumt.

Bild 1: Absturz durch Lichtplatte

Absturz bei Wartungsarbeiten

In einem Unternehmen mussten Wartungsarbeiten an Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA's) durchgeführt werden. Diese Arbeiten sind jährlich erforderlich und wurden an ein anderes Unternehmen vergeben.

Das Hallendach besteht aus Profiltafeln, die etwa alle 5 m durch nicht durchsturzsichere Lichtbänder (1 m breit) aus Kunststoff unterbrochen sind (Bild 2). Die Halle ist 50 m lang, 20 m breit und ca. 8,60 m (in Firstnähe) hoch.

Bild 2: Situation auf dem Dach

Am Unfalltag waren zwei Mitarbeiter des beauftragten Unternehmens zu Wartungsarbeiten an den RWA's angereist. Etwa 15 Minuten nach Arbeitsaufnahme stürzte einer der Mitarbeiter durch ein Lichtband auf den Hallenboden, wobei er sich tödliche Verletzungen zuzog (Bild 3).

Bild 3: Absturzstelle

Schneechaos im Winter 2006 in Bayern

Im oberbayerischen Traunstein stürzte ein 27-jähriger Feuerwehrmann durch ein Dachfenster einer Gewerbehalle. Er fiel 15 m in die Tiefe und prallte auf den Betonboden. Der Mann war sofort tot.

Bild 4: Schneechaos in Bayern 2006 (Foto: dpa)

Im Landkreis Deggendorf stürzte eine 19-jährige Bundeswehrsoldatin bei Schneeräumarbeiten durch das Dachfenster einer Schule in die Tiefe.

Im Landkreis Schwandorf stürzte ein 25 Jahre alter Feuerwehrmann durch das Dach eines Gewerbebetriebes.

Bild 5: Schneechaos in Bayern 2006 (Foto: dpa)

Solche oder ähnliche Unfallbeispiele gibt es in großer Zahl. Der Einsatz von Absturzsicherungen hätte jeden einzelnen verhindern können. Wichtig ist ...

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