Zusammenfassung

 
Überblick

Dieser Beitrag zeigt, wie Burnout-Prävention in der betrieblichen Praxis gezielt umgesetzt werden kann. Trotz individueller Gründe für Burnout kann ein Konzept der Burnout-Prävention, das an den grundsätzlichen Lebensprinzipien orientiert ist, zielführend und nachhaltig sein. Entscheidend ist, dass ganzheitlich und gleichzeitig auf der individuellen, team-, unternehmens-und organisatorischen Seite angesetzt wird. Es gilt, ein Miteinander – nicht ein Nach-, Neben- oder Gegeneinander – der betrieblichen Akteure zu etablieren, damit sich jeder mit seinen Qualitäten in den Gesamtprozess einbringen kann.

Ausgangspunkt ist die gesetzliche Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung, v. a. die Beurteilung der psychischen Belastungen. Der Prozess Beurteilung – Maßnahmen – Wirksamkeitskontrolle wird durch das mitarbeiterorientierte Konzept ein wertschätzender Prozess zur Burnout-Prävention und damit Ausgangspunkt eines ursachenorientierten Handelns.

1 Der Mensch steht im Mittelpunkt

Untersucht man die Ansätze zur Burnout-Prävention, so "gibt es kein allgemeines Rezept" (Burisch). Gesundheit ist für viele das höchste Gut, aber nicht die erste Priorität. Die Macht über die Gesundheit haben für viele die Mediziner und die Pharmaindustrie, aber auch heute gilt wie schon 400 v. Chr.: "Es flehen die Menschen die Götter an um Gesundheit und wissen nicht, dass Sie die Macht darüber selbst besitzen" (Demokrit).

Der Mensch ist ein Sozialwesen und geschaffen für ein "Miteinander – Füreinander". So verwundert es nicht, dass unser Leben mit der Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen steht und fällt. Doch "Menschen, die miteinander zu schaffen haben machen einander zu schaffen, das ist ein Grundgesetz, das können wir uns nicht aussuchen aber wohl ihnen wenn sie dann darüber vernünftig reden können. […] Kommunikation ist ein Simultangeschehen das auf vier Feldern gleichzeitig stattfindet, es wird auf vier Feldern gleichzeitig gespielt."[1] (vgl. Abb. 1)

Abb. 1: Kommunikationsquadrat nach Friedmann Schulz von Thun

Das bestimmt unser zwischenmenschliches Zusammenleben – und das in jeder Situation: sei es Beruf, Freizeit oder Familie. Der Mensch mit seiner Gesundheit und Leistungsfähigkeit steht im Mittelpunkt. Er ist sowohl das Problem und die Ursache als auch die Lösung zugleich.

[1] Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun, Abschiedsvortrag 23.10.2009, Universität Hamburg (https://lecture2go.uni-hamburg.de/veranstaltungen/-/v/10197).

2 Schritt für Schritt umsetzen

Burnout-Prävention bedeutet, psychische Gesundheit zu fördern. Im ersten Schritt muss der Blick auf das Vorhandene gerichtet und dort angesetzt werden. Das Unternehmen, seine Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeiter müssen dort abgeholt werden, wo sie sich jeweils befinden.

2.1 Wo steht das Unternehmen – die Gefährdungsbeurteilung nutzen

Das zentrale Instrument zur Ist-Zustandsbeschreibung ist die nach § 5 Arbeitsschutzgesetz verpflichtende Beurteilung der Arbeitsbedingungen, die seit Herbst 2013 explizit auch die psychischen Belastungen umfasst.

Die Gefährdungsbeurteilung ist die rechtliche Basis für eine IST-Zustandsbeurteilung und die Basis für eine systematische und nachhaltige Burnout-Prävention, die eingebunden ist in das betriebliche Gesundheitsmanagement bzw. die betriebliche Gesundheitspolitik.

 
Wichtig

Die Gefährdungsbeurteilung ist das zentrale Instrument

Die Gefährdungsbeurteilung ist die zentrale Ausgangsbasis für Maßnahmen

  • des Arbeitsschutzes (Pflicht),
  • des betrieblichen Gesundheitsmanagements (Kür),
  • des Personalwesens (Talentmanagement, Demografie),
  • der betrieblichen Gesundheitspolitik (Unternehmenskultur).

Ziel: Umsetzung einer neuen Qualität der Arbeit und eines psychisch gesunden Unternehmens.

Wichtig:

  • Evaluation der durchgeführten Maßnahmen auf allen Ebenen,
  • regelmäßige Wiederholung der Gefährdungsbeurteilung und Anpassung des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Die Beurteilung ist nur der erste Schritt (vgl. Abb. 2). Der zweite und der dritte Schritt sind die Ableitung von Arbeitsschutzmaßnahmen und die Überprüfung der Maßnahmen. Alle 3 Schritte müssen auch dokumentiert werden (§ 6 ArbSchG). Damit ist nicht nur die Beurteilung des Ist-Zustandes, sondern auch der Prozess zur Optimierung und die Überprüfung der Wirksamkeit ein Teil der Dokumentation. Das wird in seiner Bedeutung oft und gern übersehen. Das Problem in der Praxis ist nicht, die Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, sondern wie sie durchzuführen ist.

Abb. 2: Systematik der Gefährdungsbeurteilung

 
Praxis-Tipp

Überzeugung tut Not – für die Umsetzung argumentieren

2.2 Umsetzung als mitarbeiterorientierten Prozess gestalten

An dieser Stelle ist nur ein Musterprozess beschrieben, da in der betrieblichen Praxis eine passende Lösung in einem gemeinsamen Such- und Abstimmungsprozess gefunden werden muss.

Der Start durch die Befragung ist mitbestimmungspf...

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