Jeder – egal ob Mitarbeiter, Führungskraft oder Geschäftsleitung – muss sich selbst so wertschätzen, dass er die physiologischen und psychologischen Gesetzmäßigkeiten bzw. Lebensprinzipien achtet und so seine Gesundheitskompetenz erhöht und seine Stressbewältigung/Resilienz verbessert.

Der individuelle Schutz besteht vorrangig aus einer emotional stabilen Persönlichkeit.[1] Dementsprechend halten auch andere Autoren bei der Burnout-Prävention die Maßnahmen im mentalen Bereich am Wichtigsten an.[2]

Vorab macht es Sinn, jeweils zuerst zu bestimmen, wo der Einzelne steht. Als Selbsttest kann dafür z. B. das Maslach-Burnout-Inventar (MBI) eingesetzt werden. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen steht zudem der ausführliche Musterfragebogen zur Gesundheitssituation und zu psychischen Belastungen am Arbeitsplatz zur Verfügung. Die wichtigsten Instrumente für die Selbstentwicklung sind abhängig davon, wo der Mitarbeiter sich im Burnout-Zyklus befindet (Abb. 5).

Abb. 5: Burnout-Zyklus

Die folgenden Ansätze sind zu unterscheiden:

  1. Selbstcoaching, z. B. über frühzeitige Aus- und Weiterbildung im Rahmen von Zeit-, Ziel- und Selbstmanagement-Workshops.
  2. Burnout-Coaching, eine wirkungsvolle Prävention, z. B. über ein Employee Assistance Program (externe Mitarbeiterberatung) – wenn die Person noch zugänglich für solche Maßnahmen ist.
  3. Leugnet die Person die Probleme und zieht sich bereits zurück, müssen Fachexperten zu Rate gezogen werden.
  4. Wiedereingliederung nach Burnout – sollte auch mit entsprechenden Fachexperten gemeinsam begleitet werden.

Niemand weiß, wann das Zuviel anfing, aber umgekehrt gibt es einige gute Frühwarnsysteme, die ein jeder am besten an sich immer wieder überprüft.

 
Praxis-Tipp

Überlastungssymptome früh in allen Ebenen erkennen

Ein sehr effektives Mittel ist, auf die näheren Personen zu hören. Dafür kann der Check Gesunde Führung: Überlastungssymptome bei Mitarbeitern erkennen eingesetzt und um folgende Hinweise ergänzt werden:

  • Nutzen Sie das Feedback Ihrer Kollegen (Fremdbild), um Ihr Selbstbild zu überprüfen. Achten Sie gegenseitig aufeinander. (Beruf) 
  • Nutzen Sie das Feedback Ihrer Freunde, um Ihr Selbstbild gespiegelt zu bekommen. (Freizeit)
  • Nutzen Sie Ihre Familie und die engsten Vertrauten, um früh erste Anzeichen zu bemerken. (Familie/Beziehung)

Wir haben die Wahl, uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen, denn unsere Haltung ist entscheidend. Die moderne Hirnforschung bestätigt: Die Haltung bestimmt das Verhalten.

 
Praxis-Beispiel

Schuhverkäufer

2 Schuhverkäufer werden nach Afrika geschickt um den Markt zu sondieren. Beide nehmen ihren Auftrag ernst, schauen sich um und berichten per E-Mail. Der erste schreibt: "Leider kein Markt für Schuhe, hier laufen alle barfuß. Ich komme sofort zurück." Der zweite schreibt: "Was für eine Chance, alle laufen barfuß. Wir können uns einen gigantischen Markt erschließen. Fange gleich mit dem Vertriebsaufbau an."

Wie sehen Sie die Sache?

Sie haben die Wahl. Wertschätzung kann jeder üben und mit der Zeit wird es nach dem Prinzip "Übung macht den Meister" immer einfacher. Ausgangspunkt ist die Selbstwertschätzung (SelbstWert), die Quelle der Wertschätzung liegt immer bei sich selbst. Wertschätzung heißt nicht, die rosarote Brille aufzusetzen, sondern schließt Hell und Dunkel ein. Es ist die Frage, wie ich die dunkle Seite für meine Entwicklung nutze. Je mehr ich nach dem Positiven in einer Person oder einer Situation suche, desto eher werde ich das Positive finden (Positivprinzip). Es gilt gleichzeitig, dass das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, wächst. "Wenn wir den Blick auf die Welt verändern, verändert sich die Welt, auf die wir blicken" (Anke Blaue). Dies gilt auch für den Blick auf uns selbst.

Die Quantenphysik bestätigt, Realität entsteht durch Wahrnehmung und die Gegenwart prägt die Zukunft in Form der "selbsterfüllenden Prophezeiung". Sich selbst ein guter Freund sein – die Lebensprinzipien Ernährung, Entspannung und Bewegung werden erst gelebt, wenn ich es mir selbst wert bin. Ich kümmere mich um mich und

  • ernähre mich gesund,
  • entspanne mich,
  • bewege mich.

Das Ganze mit Maß und Ziel, denn zu viel schadet und zu wenig wirkt nicht.

[1] Bergner: Burnout-Prävention: Das 12-Stufen-Programm zur Selbsthilfe, 2010.
[2] Z. B. Spreiter, Burnoutprävention für Führungskräfte, 2014.

3.2.1 Das Lebensprinzip Ernährung

"Ernährung = Treibstoff für Körper, Geist und Seele" macht die Bedeutung klar: Ernährung lässt sich nicht nur auf die Nahrungsaufnahme reduzieren, sondern "Der Mensch ist, was er isst" (Ludwig Feuerbach). Einen Bezug zum Burnout stellt kaum jemand auf den ersten Blick her, aber Stress wirkt sich häufig nachteilig auf das Ernährungsverhalten aus: Er kann sowohl zur Appetitlosigkeit führen als auch zu haltlosem Frustessen oder anders herum kann übermäßiges Essen Stress auslösen. So macht z. B. der Fußballtrainer Ralf Rangnik v. a. seine ungesunde Ernährung für seinen Burnout verantwortlich.

Insbesondere die Verleugnung seines Selbst im Rahmen des Burnout-Prozesses verste...

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