Betriebliche Notfallplanung / 3.1 Hauptgefahrenquellen ermitteln

Es ist zunächst erforderlich, dass Sie alle Unternehmensbereiche hinsichtlich relevanter Gefährdungspotenziale analysieren. Betrachtungsbereiche sollten sein:

  • Gebäude,
  • Einrichtungen,
  • Anlagen/Maschinen,
  • Prozesse,
  • eingesetzte gefährliche Stoffe,
  • Energieversorgung,
  • Brandgefährdung,
  • Umgebung des Betriebes (z. B. Zufahrtsstraßen, andere Betriebe, Gewässer etc.).

Die Analyse sollte durch ein Team erfolgen, welches ausreichende Kenntnisse über die einzelnen Einrichtungen, Anlagen und Arbeitsabläufe besitzt. Eine Checkliste kann dazu dienen, die Informationen zusammenzustellen.

Sofern Sie bereits über eine Gefährdungsbeurteilung verfügen, können Sie diese zur Erstbetrachtung relevanter Faktoren heranziehen. Dennoch sollten Sie einen kritischen Blick über alle Bereiche und Prozesse in Erwägung ziehen, um die Gesamtsituation des Betriebs beurteilen zu können. In der Praxis zeigt sich, dass Gefährdungsbeurteilungen häufig nur bestimmte Bereiche und Gefährdungen beinhalten. Dies hängt in erster Linie mit der Komplexität des Themas zusammen.

 
Praxis-Tipp

Risikoanalyse

Analysieren Sie alle Anlagen, Prozesse, Stoffe und Räumlichkeiten. Überlegen Sie dabei, ob sich ein Risiko ableiten lässt oder nicht. In den meisten Betrieben gibt es ja bereits vorhandene Betrachtungen. Nutzen Sie diese.

 
Praxis-Beispiel

Lagerung von Ölen

Bei der Lagerung von Ölen ist es erforderlich, die Behälter in Auffangwannen (spezielle Räume/Container sind auch möglich) zu lagern. Somit können auslaufende Öle z. B. nicht in die Kanalisation gelangen. Das Prinzip, eine Notfallsituation gar nicht erst eintreten zu lassen, wird damit im Hinblick auf die Lagerung erreicht. Zu prüfen wäre bei diesem Beispiel also, ob die Lagerung von Ölfässern den Vorgaben entspricht. Doch was passiert, wenn ein oder mehrere Ölfässer beim Ab- oder Aufladen auf dem Betriebsgelände oder im Gebäude herunterfallen und Leck schlagen? Gibt es für diesen Fall Bindemittel o. Ä.? Ist dieses am Einsatzort verfügbar und für Öle geeignet? Ist das Personal entsprechend geschult? Müssen Gullys abgedichtet werden? Wenn ja, gibt es dafür Hilfsmittel?

 
Praxis-Beispiel

Kältezentrale

Zur Kühlung von Räumlichkeiten gibt es eine Ammoniak-Kälteanlage. Was passiert, wenn aus der Anlage Ammoniak austritt? Da Ammoniak giftig ist und Verätzungen verursacht, müssen Mitarbeiter vor dem Austritt von Ammoniak gewarnt werden, bevor sie den Raum der Kältezentrale betreten. Gibt es eine Ammoniakwarnanlage, die kontinuierlich misst und bei Überschreiten eines Sollwertes eine Alarmmeldung gibt? Wie sieht diese Meldung aus? Werden alle Personen gewarnt,

dass sie den Raum bei Überschreiten des Sollwertes nicht ohne Atemschutz betreten dürfen? Sind alle betroffenen Mitarbeiter geschult, was sie bei Ammoniakaustritt zu beachten haben? Wird die Anlage dann automatisch abgeschaltet sowie Abluftventilatoren eingeschaltet? Ebenfalls muss geprüft werden, ob sich eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre bilden kann und damit Maßnahmen des Explosionsschutzes erforderlich sind. Maßnahmen des Arbeitsschutzes zum sicheren Arbeiten in der Kältezentrale werden bei dieser Betrachtung vorausgesetzt.

Gibt es eine Notfallanweisung, was bei Ammoniakaustritt zu tun ist? Wer muss verständigt werden? Wie sehen Erste-Hilfe-Maßnahmen aus, wenn Personen betroffen sind? Auch derartige Fragen müssen beantwortet werden.

Aus diesen beiden "einfachen" Beispielen wird deutlich, dass Sie alle Bereiche und Prozesse systematisch betrachten müssen. Nur so können alle Gefahren erkannt, bewertet und evtl. notwendige Schutz- und Notfallmaßnahmen definiert werden.

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