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Einnahmen-Überschussrechnung: Wechsel zur Bilanzierung

Einnahmen-Überschussrechnung: Wechsel zur Bilanzierung

Jeder kann zu Beginn des Jahres freiwillig zur doppelten Buchführung und damit zur Bilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung wechseln. Es gibt aber auch Gründe, dass man zur Bilanzierung wechseln muss. Das ist der Fall, wenn der Steuerpflichtige die Umsatz- oder die Gewinngrenzen überschreitet und das Finanzamt dazu auffordert, zur Bilanzierung zu wechseln.

Im Fall der Betriebsaufgabe muss eine Aufgabebilanz erstellt werden.

Wird das Unternehmen veräußert, muss ebenfalls eine Aufgabebilanz erstellt werden.

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Der Wechsel der Gewinnermittlungsarten ist geregelt in R 4.6 EStR 2012, die Soll- und Istversteuerung in §§ 16 und 20 UStG, sowie im Abschn. 20.1. UStAE.

1 Vorgehensweise im Jahr vor dem Wechsel

Die Einnahmen-Überschussrechnung sowie die Umsatzsteuererklärung sind fertig zustellen. Diese Zahlen sind notwendig für die Ermittlung des Übergangsergebnisses.

1.1 Einnahmen-Überschussrechnung bis zum 31.12.01

Ist die Einnahmen-Überschussrechnung des Vorjahres fertiggestellt, steht fest, welche Rechnungen noch offen sind, d. h. welche nicht bis zum 31.12.01 bezahlt wurden. Diese Rechnungen werden für die Ermittlung des Übergangsergebnisses benötigt.

Praxis-Beispiel

Einnahmen-Überschussrechnung für das Jahr 01

Die Einnahmen-Überschussrechnung ist fertig gestellt und weist folgende Zahlen aus.

  • Betriebseinnahmen Betriebseinnahmen 19 % Umsatzsteuer Summe • +90.000 EUR +17.100 EUR • 107.100 EUR
  • Betriebsausgaben Betriebsausgaben Vorsteuer Summe • ./. 50.000 EUR ./.  9.500 EUR • ./. 59.500 EUR
  • Gewinn • + 47.600 EUR

In der Einnahmen-Überschussrechnung werden nur die Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben erfasst, die vereinnahmt bzw. geflossen sind. Folgende Rechnungen sind am Jahresende noch offen.

  • Offene Kundenrechnungen aus dem Jahr 01 inkl. 19 % USt: 11.900 EUR
  • Lieferantenrechnungen aus dem Jahr 01 inkl. 19 % USt: 4.760 EUR

1.2 Umsatzsteuererklärung – Istversteuerung – für das Jahr 01

Hier wird davon ausgegangen, dass dieses Unternehmen bezüglich der Umsatzsteuer der Istversteuerung unterliegt. In diesem Fall wird die Umsatzsteuer für alle Aufträge erst abgeführt, wenn der Kunde gezahlt hat.

Hinweis

Soll- und Istversteuerung gilt nicht für die Vorsteuer

Für die Vorsteuer gilt weder die Ist- noch Sollbesteuerung. Die Vorsteuer ist immer in dem Jahr abzuziehen, in dem die Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug erfüllt sind.

Die Voraussetzungen sind: eine einwandfreie Rechnung muss vorliegen und der Auftrag ist abgeschlossen oder bzw. und die Zahlung ist erfolgt.

Praxis-Beispiel

Umsatzsteuererklärung für das Jahr 01

  • Zwischensummen • Summen
  • Umsatz netto • 90.000 EUR • 90.000 EUR
  • + • Umsatzsteuer • 17.100 EUR • 17.100 EUR
  • ./. • Vorsteuer (gezahlt) Vorsteuer (aus offenen Rechnungen) • ./.  9.500 EUR ./.    760 EUR • ./. 10.260 EUR
  • = • Zahllast • 6.840 EUR • 6.840 EUR

In der Umsatzsteuererklärung für das Jahr 01 wird die Umsatzsteuer für alle Aufträge abgeführt, die im Jahr 01 bezahlt wurden. Die Umsatzsteuer aus offenen Kundenrechnungen wird erst im Folgejahr 02 beim Geldeingang abgeführt. Außerdem ist im Jahr 01 die Vorsteuer aller Rechnungen aus dem Jahr 01 i. H. v. 10.260 EUR zu erfassen, für alle Rechnungen sind die Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug erfüllt.

Wichtig: In der Einnahmen-Überschussrechnung für das Jahr 01 ist nur die gezahlte Vorsteuer von 9.500 EUR zu erfassen.

Praxis-Tipp

Umsatzsteuer aus offenen Rechnungen umbuchen

Bis zum Geldeingang wird die Umsatzsteuer der offenen Kundenrechnungen auf dem Konto "Umsatzsteuer nicht fällig" erfasst. Erst im Folgejahr, zum Zeitpunkt des Geldeingangs, wird sie auf das Konto "abzuführende Umsatzsteuer" umgebucht.

2 Vorgehensweise im Jahr des Wechsels

Im Jahr des Wechsels ist zunächst eine Inventur erforderlich, um die Eröffnungsbilanz aufzustellen. So kann zu Beginn des Jahres 02 mit der Bilanz gestartet werden.

Zusätzlich ist im Laufe des Jahres, spätestens am Jahresende 02, das Übergangsergebnis zu ermitteln. Im Übergangsergebnis werden Einnahmen und Ausgaben erfasst, die weder in der letzten Einnahmen-Überschussrechnung erfasst wurden, weil der Geldfluss fehlte, noch in der neuen Gewinn- und Verlustrechnung bzw. Bilanz erfasst werden können, weil sie wirtschaftlich in das Vorjahr gehören.

Hinweis

Durch das Übergangsergebnis gehen keine Erlöse verloren

Ein Auftrag wurde im Jahr 01 abgeschlossen und berechnet. Der Kunde zahlt erst im Jahr 02. Bei einem Wechsel zum 1.1.02 wurde dieser Erlös weder in der Einnahmen-Überschussrechnung für das Jahr 01 erfasst (kein Geldfluss im Jahr 01) noch in der Gewinn- und Verlustrechnung für das Jahr 02 (kein Auftrag aus dem Jahr 02). Daher wird diese offene Forderung im Übergangsergebnis erfasst.

2.1 Inventur und Eröffnungsbilanz zum 1.1.02

Wird zur Bilanzierung gewechselt, muss eine Inventur durchgeführt werden. Erst dann kann die Eröffnungsbilanz zum 1.1.02 erstellt werden.

Praxis-Beispiel

Eröffnungsbilanz zum 1.1.02

Die Inventur wurde durchgeführt und daraus ergibt sich folgende Eröffnungsbilanz:

  • Aktiva • Passiva
  • Anlagevermögen • ...

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