Geldanlage: Spekulieren auf die Zinswende?

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31.07.2010 | Recht

Das Zinsniveau ist derzeit so niedrig wie nie. In den Industriestaaten fielen die Zinsen über viele Jahre. Die Finanzkrise hat Inflationsrate und Zinsen auf historische Tiefstände gedrückt. Aktuell befinden sich die Zinsen über alle Laufzeiten am unteren Rand der historischen Entwicklung. Das kann nicht ewig so weitergehen - soll jetzt auf die Wende spekuliert werden?

Zinswende in Sicht?

Börsianer sehen zumindest bei den Kurzfristzinsen die Wende. Über höhere Zinsen müssen die Zentralbanken Geld aus dem Markt nehmen, um Inflation zu verhindern.

 

Wie können Anleger davon profitieren?

Anleger, die sich auf eine Zinswende einstellen wollen, stehen folgende Möglichkeiten offen:

  • Aktien bei steigenden Preisen

Bei steigenden Preisen sind Sachwerte wie Aktien immer noch erste Wahl. Zwar kann bislang von Geldentwertung weltweit keine Rede sein. Im Gegenteil: Obwohl die Zentralbanken den Markt mit frischem Geld überfluteten, blieben die Preise stabil, ja sie sanken sogar dank der gesunkenen Energiepreise fünfmal in Folge. Inflationäre Tendenzen sind jedoch bereits sichtbar, zuletzt an den Finanzmärkten.

Als Beispiele für inflationäre Tendenzen lassen sich nennen u.a. das Rekordhoch beim Gold und die Dollarschwäche, die Rally bei Bonds, Aktien und nicht zuletzt die wieder erwachte Risikolust vieler Investoren: Im November vergangenen Jahres lag die Inflationsrate in den 16 Ländern der Euro - Zone bereits wieder bei 0,6 Prozent und damit über den Expertenschätzungen. Die Geldvermehrung macht sich also bereits in der Realwirtschaft bemerkbar. Inflationsrisiko steigt. Darauf sollten sich Anleger frühzeitig einstellen und verstärkt auf Sachwerte setzen.

  • Finger weg von Staatsanleihen

Wenn es auch unlogisch klingt: Staatsanleihen - auch wenn es sich dabei um solche handelt, die von bonitätsstarken Staaten wie Deutschland ausgegeben worden sind – sind in Zeiten steigender Zinsen und Inflation kein „sicherer Hafen“. Beunruhigend ist derzeit, dass institutionelle Investoren, also insbesondere Rentenfonds, gigantische Summen in Staatsanleihen geparkt haben, und damit die Aktienrallye verpasst haben. Mehren sich nun die Zeichen für die Zinswende, droht ein massenhafter Ausstieg. Konsequenz: Die Kurse der Anleihen fallen deutlich.

Selbst mit den vermeintlich sichersten Staatsanleihen fahren Anleger dann Verluste ein. Denn wenn die aktuellen Marktzinsen über die Zinskupons alter Anleihen steigen, finden diese zum Preis von 100 Prozent keine Käufer mehr. Sie sinken folgerichtig im Kurs. Privatanleger wollen zwar meist mit den Papieren gar nicht traden, also gar nicht verkaufen, Aber die verlässlichen Zinseinnahmen bis zum Rückzahlungsdatum befriedigen in kurzer Zeit nicht mehr. Denn während die Geldentwertung steigt, kassieren Anleger weiterhin nur ihre magere Basisverzinsung. Und bei der Rückzahlung der Anleihe ist das eingesetzte Kapital real nur noch einen Bruchteil wert. Dasselbe gilt für Corporate Bonds.

 

  • Inflationsindexierte Anleihen

Eine Alternative für Zinsanleger sind inflationsindexierte Anleihen. Diese variabel verzinsten Papiere bieten einen geringen Basiszins plus einen Zuschlag, der die Inflation ausgleichen soll. Der Zuschlag ist an einen bestimmten Preisindex oder an bestimmte Preisindices (Einzelhandels- oder Konsumentenpreisindices). angepasst. Der Nominalwert und somit der Preis der Anleihe wird dadurch um die Inflationsrate der jüngsten Vergangenheit angepasst. Ein Allheilmittel stellen solche Anleihen aber auch nicht da. Schwachpunkte solcher Anleihen liegen u.a. in der Wahl des richtigen Index und in der jeweiligen Anpassungsperiode. So lassen sich diverse zeitliche Verzögerungen bei der Inflationsanpassung nicht vermeiden, weil sich die Anpassungen regelmäßig erst dann vornehmen lassen, wenn die Inflationszahlen endgültig vorliegen.

 

  • Fonds mit inflationsindexierten Papieren

Für Anleger, die weiter auf Rentenwerte setzen und dabei international bereit streuen wollen, bieten sich Anteile an Rentenfonds mit inflationsindexierten Papieren an. Inflationsgeschützte Rentenfonds sichern zwar vor einem Anleihen-Gau. Hohe reale Renditen können aber mit einer solchen Sicherheitsstrategie nur selten eingefahren werden.

 

Wichtig

Sollte sich die Wirtschaft mittelfristig deutlich erholen und höhere einstellige Inflationsraten wie in den 70er-Jahren häufiger werden, bieten Sachwerte den besseren Inflationsschutz. Anleger sollten sich dann auf Aktien oder Rohstoffe konzentrieren.

 

  • Fonds-Mix aus Sachwerten inclusive Immobilien

Historisch bewährt haben sich Investitionen in Immobilien und Edelmetalle. Für Anleger, die sich mit Sachwerten gegen steigende Zinsen und Inflationsgefahren absichern wollen und dabei das Risiko breit streuen wollen, kämen diverse Sachwertefonds in die nähere Betrachtung, welche in Aktien, Immobilien, Edelmetalle, Rohstoffe und inflationsindexierte Anleihen investieren. Dass Zinsen und die Inflationrate steigen werden, ist unumstritten. Lediglich das Timing ist offen. Doch vieles kommt schneller als erwartet.


QuelleHaufe Online-Redaktion