10.03.2010 | Arbeitsschutz
Rund 30 Prozent aller Krankheitstage gehen auf Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats zurück – dazu gehören chronische Krankheiten wie entzündliches Rheuma, aber auch Rückenschmerzen oder ein Mausarm. Außerdem zählen sie zu den häufigsten Ursachen für eine krankheitsbedingte Frühberentung, wie der „Fit for Work“-Report der unabhängigen britischen Work Foundation zeigt.
Experten der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA), des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V. (VDBW) und des Gesundheitsunternehmens Abbott nahmen zu dem Thema Stellung.
Politische Rahmenbedingungen optimieren
Wichtigste Voraussetzung ist eine bessere Zusammenarbeit aller Beteiligten – Ärzte, Arbeitgeber und Beschäftigte. Dafür muss die Politik die nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Durch ein effizienteres Gesundheitsmanagement könnten 30-40% der krankheitsbedingten Abwesenheitstage vermieden werden, so ein Ergebnis des „Fit for Work“-Reports. „
Arbeitsausfallkosten von 26 Milliarden Euro
„Das oberste Ziel sollte die Reduzierung von Erkrankungen und von dauerhafter Arbeitsunfähigkeit sein. Denn aufgrund der demografischen Entwicklung sind Unternehmen immer mehr darauf angewiesen, wertvolles Know-how und Erfahrungen im Betrieb zu halten“, betonte Dr. Anette Wahl-Wachendorf, Präsidiumsmitglied des VDBW. Wie der Bericht der Work Foundation belegt, beträgt der Produktivitätsausfall allein durch Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates 9,7 Millionen Euro pro Jahr – das entspricht 0,4% des Bruttosozialprodukts. Insgesamt kommt es schon jetzt infolge von vorübergehenden oder dauerhaften Arbeitsausfällen aufgrund dieser Erkrankungen in Deutschland jährlich zu Kosten von insgesamt 26 Milliarden Euro.
Frühe Diagnose – frühzeitige Intervention – Erhalt der Arbeitsfähigkeit
Ein wichtiges Instrument zur Vermeidung von Arbeitsunfähigkeit ist eine möglichst frühe Diagnose und adäquate Behandlung von Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates. Zusätzlich müssen möglichst frühzeitig präventive Maßnahmen am Arbeitsplatz ergriffen werden. Voraussetzung ist eine positive und offene Unternehmenskultur, die es ermöglicht, dass „Arbeitsmediziner in Kooperation mit dem Management und den Betroffenen Lösungen erarbeiten, die z.B. geeignete Anpassungen des Arbeitsplatzes, der Arbeitszeit und weitere Maßnahmen beinhalten“ so Dr. Wahl-Wachendorf.
Information und Unterstützung
Wichtig sind eine bessere Information der Verantwortlichen in Unternehmen und der betroffenen Arbeitnehmer über die bestehenden Fördermöglichkeiten. Diese seien noch immer wenig bekannt und werden daher zu selten genutzt. Außerdem müssten das betriebliche Wiedereingliederungsmanagement stärker gefördert und Unternehmen bei der praktischen Umsetzung unterstützt werden.
„Gesundmeldung statt Krankmeldung“
Wichtig ist, die Fähigkeiten und nicht die Einschränkungen der erkrankten Mitarbeiter in den Fokus zu rücken. Die Work Foundation empfiehlt hier die Einführung einer so genannten „Gesundmeldung“, die im Unterschied zur „Krankmeldung“ aufzeigt, welche Leistungen die Beschäftigten weiterhin erbringen können. Ein solcher Ansatz wird derzeit in Großbritannien verfolgt.
Abbott / Haufe Online-Redaktion
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