23.11.2009 | Arbeitsschutz
Thüringer Unternehmen verzichten trotz der steigenden Zahl von Schweinegrippe-Fällen bislang auf klare Impfempfehlungen an ihre Beschäftigten. Verschärft wurden aber die Hygiene- und Desinfektionsvorschriften an die Mitarbeiter, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa.
„Impfen ist eine Angelegenheit, die jeder für sich entscheiden muss“, sagte der Verantwortliche für Arbeitssicherheit im Stahlwerk Unterwellenborn (Kreis Saalfeld-Rudolstadt), Uwe Baldschus. Die Zahl der Neuinfektionen mit dem H1N1-Virus hatte sich in Thüringen in der vergangenen Woche verdoppelt, ein Mann starb an der Infektion.
Auch bei der Bosch Fahrzeugelektrik GmbH in Eisenach ist die Impfung für die Beschäftigten nicht vorgeschrieben. „Wir haben aber klargestellt, dass die Leute zu Hause bleiben, wenn sie Symptome zeigen“, sagte ein Sprecher. Die Stadtwerke Jena-Pößneck haben Desinfektionsmittel ausgegeben und ihre Mitarbeiter über Hygienemaßnahmen informiert.
„Für den Fall der Fälle haben wir auch Mundschutz gebunkert“, berichtete Sicherheitsingenieur Torsten Lier. Von den 350 Beschäftigten der Stadtwerke arbeiten etwa 50 an besonders sensiblen Stellen, zum Beispiel in der Leitstelle für die Gas-, Strom- oder Fernwärme-Versorgung. „Ob sie sich impfen lassen, müssen sie selbst entscheiden“, sagte Lier.
Die Stadtwerke Erfurt halten eine zusätzliche Ausstattung etwa der Sanitärräume mit Desinfektionsmitteln für unnötig. Dies habe auch der Pandemiestab des städtischen Gesundheitsamtes ausdrücklich betont, sagte Sprecherin Anke Roeder-Eckert. „Das bringt ja auch nicht viel. Sobald man eine Tür anfasst, ist der Desinfektionseffekt wieder weg.“ Die Firmengruppe beschäftigt insgesamt rund 1800 Mitarbeiter, unter anderem in sensiblen Bereichen wie den Verkehrsbetrieben, der Stadtwirtschaft und dem kommunalen Wasserbetrieb.
Der Energieversorger E.ON Thüringen hat dagegen nicht nur den Vorrat an Desinfektionsmitteln aufgestockt, der Betriebsarzt bietet seit Wochenbeginn auch freiwillige Schweinegrippe-Impfungen an. Diese würden vorerst allerdings nur verhalten genutzt, sagte Unternehmenssprecher Olaf Werner. „Die normale Grippeschutzimpfung läuft besser.“ Die Mitarbeiter seien außerdem mit Hygienenhandzetteln über das richtige Verhalten im Krankheitsfall informiert worden. Der Energieversorger beschäftigt 1500 Mitarbeiter. Mehr als die Hälfte von ihnen gehört zum technischen Personal, das unter anderem das Thüringer Hochspannungsnetz betreut.
„Wir haben einen Krisenplan für den Fall, dass zu viele grippebedingt ausfallen“, sagte Uwe Baldschus vom Stahlwerk Thüringen. Personalengpässe ließen sich beispielsweise mit Leiharbeitern ausgleichen. Dass das H1N1-Virus das Werk komplett lahmlegt, hält er allerdings für unwahrscheinlich. „Das wird nicht eintreffen, da bin ich sicher.“
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dpa
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